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Ein biblisches Verhältnis zu Israel

 

Ein biblisches Verhältnis zu Israel

Mario Wahnschaffe 

Wie ist eigentlich unser Verhältnis als Christen zu den Juden?IMG_3837

Wie ist unser Verhältnis zu Israel?

 

In unserer heutigen Zeit in Deutschland wird Israel für seine Politik immer schärfer kritisiert.

Im letzten Jahr wurde auf deutschen Strassen gerufen: “Kindermörder Israel! Juden ins Gas!”

So gibt es auch unter Christen zum Teil Abneigung gegenüber Juden und gegenüber dem Staat Israel. Letztens nach einer Predigt wurde mir freundlich der Hinweis gegeben: “Ihre Predigt heute fanden wir gut. Nur, dass Sie dreimal den Begriff “Der Gott Israels” verwendet haben, fanden wir unglücklich, denn die meisten unserer Gemeindemitglieder mögen Israel nicht….

 

Was denkt der durchschnittliche Bürger in München, Deutschland über folgende Fragen:

  • „Was assoziieren sie mit dem Wort Jude?“
  • Wie viele Juden leben heute in Deutschland?
  • Woher stammen die Juden, die heute in Deutschland leben?
  • Was waren die jüdischen Kontingent-Flüchtlinge?

In einem Youtube-Video, in dem deutsche Bürger in München interviewt wurden, herrschte große Unwissenheit, bis sogar offener Antisemitismus. So antworteten manche Schülerinnen sogar, dass sie glaubten, dass die Hälfte der deutschen Bevölkerung Juden seien.

Woher stammen die Juden, die heute in Deutschland leben?

Wie viele Juden lebten in Deutschland vor der Shoa?

1933   – 502.799 Juden (70.000 in der „Central Vereinigung deutscher Juden“)

1939   – 215.000 Juden nach der Vertreibung der “Ost-Juden” und Massen-Emmigrationen

1941   – 163.696 zu Beginn der Deportationen in die Vernichtungslager

1943   –   31.897 bei Ende der großen Deportationen

1945   –   15.000 bei Kriegsende (33 % im Untergrund)

1990   –   29.000 durch Zuwanderung aus der Sowjet-Union.

2007   – 107.233 durch Zuwanderung der jüdischen Kontingentflüchtlinge aus der EX-Sowjet-Union

2014   – 100.300 Zahl der Juden nimmt ab durch Überalterung und nachlassenden Zuzug aus der Ex-SU

 

Seitdem in Berlin vor zwei Jahren ein Rabbi, der offen seine Kippa getragen hatte, vor den Augen seiner Tochter auf offener Straße zusammen geschlagen wurde, ist Deutschland für Juden ein immer unfreundlicheres Land geworden.

 

  1. Ist Israel ein „Unrechtsstaat“?

 

Einmal fragte mich eine Schülerin unserer Gemeinde: “Warum segnen wir gerade Israel jeden Sonntag?

Ist Israel nicht ein faschistischer Staat, der die Araber unterdrückt?”

Dies ist ein harter Vorwurf und kann nur von Menschen kommen, die noch nie zu Besuch in Israel waren und dort noch nie den Alltag von Juden und Arabern erlebt haben, die dort Tür an Tür leben.

Es gibt 1.271.000 arabische Einwohner in Israel (ohne besetzte Gebiete).  Araber machen 20% der Israelis aus, die den israelischen Pass und Wahlrecht besitzen.

 

Es sitzen 4 arabische Abgeordnete der „Vereinten arabischen Liste“ im Parlament der Knesset in Jerusalem, sie wurden 2013 von 138.000 Wählern gewählt und setzen sich für ein unabhängiges Palästina ein, mit Ostjerusalem als Hauptstadt. Es gibt meines Erachtens weder eine demokratische Regierung in den arabischen Ländern, geschweige denn jüdische Vertreter darin.

Warum ist es historisch und politisch unwissenschaftlich, gerade als Deutscher, Israel mit einem faschistischen Staat zu vergleichen?

Vergleich:

In Deutschland leben heute 100.000 Juden das sind 0,1%

In Israel leben heute 20% Araber als gleichberechtigte Staatsbürger.

Ist das ein faschistischer Staat?

In der Gegenwart, wo viel über die Fehlerhaftigkeit des Staates Israels und seiner zweifelhaften Entscheidungen diskutiert wird, wollen wir als Christen aber ein biblisch fundiertes Verhältnis zu Israel finden:

Gott rettet und segnet sein Volk nicht aufgrund seiner Vorzüglichkeit oder seiner religiösen Gerechtigkeit oder Leistung, sondern aufgrund seiner Gnade und seines Bundes mit Abraham willen.

„Nicht weil ihr mehr wäret, hat sich der Herr euch zugeneigt, sondern wegen seiner Liebe und dem Eid, den er den Vätern geschworen hat.

Er ist der treue Gott (el nääman), der seinen Bund auf tausend Generationen bewahrt.“

5.Mose 7:6-9

Wir dürfen nicht den Fehler machen und Israel heilig sprechen in allem, was sie tun. Natürlich ist Israel kein perfekter Staat, in dem es keine Verfehlungen gibt. Israel ist ein fehlerhafter Staat, wie jeder andere Staat auch.

Trotzdem sind sie geliebt und berufen von Gott aufgrund seines Bündnisses und Versprechens zu Abraham.

 

Simon Wiesenthal spricht in seinem Buch „Recht nicht Rache“ von einem neuen Antisemitismus im  Nachkriegs-Deutschland: Wenn Deutsche über die Fehler des Staates Israel urteilen, indem sie sagen: ‚Wie kann Israel Verbrechen begehen, wo sie doch Auschwitz erlebt haben?’, dann sprechen sie damit dem Staat Israel die Existenzberechtigung ab, indem sie ihm nicht zugestehen auch Fehler zu machen, wie jedes Land auf der Erde dies auch getan hat.

 

 

  1. Warum segnen wir Israel?

 

Das “Centrum Lebendiges Wort Bonn” ist eine internationale Gemeinde.

Wir segnen jedes Land.

Vor Gott sind alle Länder gleich.

Dadurch, dass wir Israel segnen, ziehen wir Israel nicht den arabischen Nationen vor.

Im “CLW” hat uns Gottes Geist folgende Richtlinie geschenkt: “Wir segnen Israel, und wir vergessen nicht auch Ismael zu segnen und zu trösten.” Denn auch Ismael ist ein Sohn Abrahams. Und obwohl er tragischer Weise von Abraham verstossen wurde, hat Gott ihm doch eine mächtige Verheissung gegeben. 1.Mose 17:20 + 21:18

Allein schon von den Menschenrechten sind wir verpflichtet alle Nationen und alle Menschen jeder nationaler Herkunft gleich zu behandeln.

Artikel 2 der Menschenrechte

Dies aber in rechtsradikalen Kreisen zu sagen, kann Dich schon eine Debatte kosten:

Der Jude hat Unglück über die ganze Welt gebracht, warum sollten wir ihn auch noch segnen?

 

2.1. Weil es Gottes Gebot an uns ist.

 

 

„Ich will Dich segnen und du wirst ein Segen sein.

Ich will segnen, die dich segnen.

Und wer dir flucht, den werde ich verfluchen.

Und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.“

1.Mose 12:1-3

„Erbittet Heil für Jerusalem! Ruhe sollen die haben, die dich lieben.“

Psalm 122:6

Haben doch diese Verse viel mit unserer deutschen Geschichte und unserem Verhältnis zum jüdischen Volk zu tun. Wie bitter mussten wir den Preis bezahlen, indem nationalsozialistische Banner überall in Nazi-Deutschland hingen: “Die Juden sind unser Unglück.” 1938 brannten alle Synagogen in Deutschland, doch sieben Jahre später erntete Deutschland den harten Preis für seine Taten. Deutschland lag in Trümmern nach dem Bombenkrieg.

Wir sind dankbar für die Kanzler unseres Landes, wie Konrad Adenauer, der mit Ben Gurion die ersten Schritte der Versöhnung ging in den Verträgen der sogenannten “Wiedergutmachung” am 10. September 1952. Wir denken an unseren Bundeskanzler Helmut Schmidt, von dem wir am 10.11. diesen Jahres Abschied nehmen mussten, der als erster Bundeskanzler der BRD das Konzentrationslager Auschwitz besuchte. Es war diese Politik, die sie verfolgten, die sich an biblischen Werten und an der Verantwortung vor der Geschichte orientierte, die Segen auf unser Land brachte und Gott uns aus unseren Trümmern erhob.

 

2.2.   Das Heil kommt aus den Juden!

 

Das habe nicht ich gesagt. Das ist ein Zitat aus dem Johannes-Evangelium 4:22. Tatsächlich hat Jesus das selber gesagt!

 

Es gibt mindestens drei Gründe, warum wir das jüdische Volk segnen können und dankbar für sie sein dürfen:

  • Wir sind dankbar für Gottes Wort. Wir haben es aus den Händen des jüdischen Volkes erhalten.
  • Wir sind dankbar für Jesus Christus. Er ist aus dem Stamm Juda!
  • Wir sind dankbar für den Segen des jüdischen Volkes in Europa. Viele Wissenschaftler und Künstler haben unser Land über die Jahrhunderte bereichert. Wir denken an Albert Einstein, Fritz Haber, Lise Meitner und Paul Ehrlich.

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2.3. Die Replacement- oder Ersatz-Theologie

 

Die Ersatz-Theologie ist die Theologie, die lehrt, dass Gott die Juden verworfen hat, aufgrund ihres Ungehorsams und dafür die Kirche erwählt hat.

 

Erschaudernd erkennen wir, welche Kraft die falsche Interpretation der Schrift hat:

  • Schon die ersten Kirchenväter lehrten, dass Gott sein Volk der Juden verworfen habe.

 

Schon im Jahre 387 steht endgültige Urteil über die Juden fest, so wie es einer der größten Kirchenlehrer der Zeit formulierte, Johannes Chrysostomus, Bischof von Antiochien: „Wie ein gemästetes und arbeitsunfähiges Tier taugen sie (die Juden) nur noch für den Schlächter.“

 

Die Reichskristallnacht war das Ergebnis von 2000 Jahren antisemitischen Predigten von christlichen Kanzeln.

Der führende evangelische Bischof Martin Sasse aus Thüringen begrüßte mit seinem Kompendium lutherischer antisemitischer Schriften die Reichskristallnacht: „Am 10.November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen.“ Sasse charakterisiert Luther als den „größten Antisemiten seiner Zeit und Warner des deutschen Volkes gegen die Juden“. (Quelle: Schoeps: Leiden an Deutschland, S.60)

Tatsächlich war der 10.11.1938 der 455. Geburtstag Martin Luthers. Hatte er doch in seinen letzten Schriften „Gegen die Juden und ihre Lügen“ die Niederbrennung der Synagogen gefordert, da die Juden sämtlichen Missionsbemühungen widerstanden.

 

Entspricht dies doch nicht der Schrift.

Sagt doch Röm.11:1,2 „Hat Gott etwa sein Volk verstoßen? Das ist ausgeschlossen! Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er vorher erkannt hat.“

 

2.4.   Muslimische Ressentiments

 

Tatsächlich existieren auch Verse, die die Animosität zwischen Mohammed und den Juden reflektieren.

 

Um so mehr erstaunt und überrascht es, dass wir im Qur’an Verse finden, die klar darlegen, dass das Land Israel durch Allahs eigenen Befehl dem jüdischen Volk als Besitz und Heimstätte zugewiesen wird und sogar dass Allah die „Kinder Isra’ils“ in der Endzeit in ihr Land zurückbringen wird.

Musa spricht: „O mein Volk, tretet in das geheiligte Land ein, dass Allah für euch bestimmt hat.“

Sura al-Ma’ida 5:20-21

 

„Und Wir sagten zu den Kindern Isra’ils: ‚Bewohnt das Land. Wenn dann das Versprechen vom letzten Mal eintrifft, bringen Wir euch in buntgemischten Gruppen herbei’.“

Sura al-Isra 17:104

 

Die meisten Muslime, denen ich diese Surat vorgelesen habe, hörten diese zum ersten Mal und dachten bis dato, der Qur’an sei ein rein antisemitisches Buch.

 

  1. Israel ist ein Spiegel für jeden Menschen

 

An Israel wird offenbar, mit welcher Art Liebe, Gott Dich liebt.

 

5.Mos.7:6-9

„Nicht weil ihr mehr wäret, hat sich der Herr euch zugeneigt, sondern wegen seiner Liebe.“

 

Gottes Liebe zu Dir, ist nicht weil Du so toll bist, sondern trotzdem er Dich liebt.

 

„Christus ist, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben!“   Röm.5:8

 

 

Gott rettet sein Volk durch einen Retter und erinnert dadurch immer wieder an sein rettendes Opfer.

Richt.3:15 Immer wenn Israel sich abwandte von seinem bösen Lebensstil und sie zum Herrn riefen, weil die Nöte oder Feinde übermächtig wurden, schickte er ihnen einen Retter!

 

Gott ist ein Gott der rettet. Auch als Adam und Eva sündigten, er bekleidete sie mit Fellen von dem ersten Opfer, das er selbst brachte.   1.Mos.3:21

 

„Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“   Joh.3:16

 

Gott macht aus unserem Minus ein Plus!

 

Gott wendet sich seinem Volk zu, die keine Hoffnung haben und die als Sklaven unter Pharao nur eine Perspektive haben: Nämlich zu sterben,

 

erwählt er sie und schenkt ihnen ein Land der Verheißung. So sagt es Bibel und Qur’an.

 

Er gibt ihnen eine edle Berufung:

2.Mose 22,20: „Den Fremden sollst du weder unterdrücken, noch bedrängen, denn Fremde seid ihr im Land Ägypten gewesen seid.“

 

Jes.60:3   „Und es ziehen Nationen zu deinem Licht hin und Könige zum Lichtglanz deines Aufgangs.“

 

Auch wir sind berufen durch Gottes Gnade hinein in eine herrliche Berufung.

„Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.“   Eph.2:10

 

Israel ist ein Vorbild der Liebe Gottes zu uns Menschen, eine Botschaft der Hoffnung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „Ein biblisches Verhältnis zu Israel

  1. Danke, Mario! Klare und fundierte Worte, wichtige Informationen für viele, besonders auf Facebook.

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