Neuer Wein in neuen Schläuchen! 7 Tödliche Haltungen erneuern – Teil 4: Voreingenommenheit / Nicole Grunewald
Neuer Wein in neuen Schläuchen! 7 Tödliche Haltungen erneuern – Teil 4: Voreingenommenheit / Nicole Grunewald
- Einleitung:
- Erstes Szenario:
Ihr seid bei Freunden eingeladen, wo auch Leute kommen, die ihr nicht kennt. Alle sind normal und unauffällig gekleidet und plötzlich kommt eine Frau in die Runde. Sie trägt hohe Schuhe, ein enges Kleid, ist aufwendig geschminkt und sticht raus. Noch bevor sie ein Wort mit euch gesprochen hat, habt ihr ein bestimmtes Bild von ihr im Kopf.
ODER
Eine Person hebt beim Lobpreis die Hände. Eine andere bleibt stillsitzen. Noch bevor wir die Herzen der Menschen kennen, haben wir innerlich entschieden, was geistlich aussieht und was nicht.
- Zweites Szenario:
Oder man kommt in eine Situation rein und denkt sich „Das wird gleich genau so und so ablaufen“. Man merkt oft gar nicht wie schnell das passiert und es passiert auch oft automatisch.
Das kennen wir alle.
- Definition:
- Was ist Voreingenommenheit?
- Voreingenommenheit bedeutet, dass jemand sich schon eine feste Meinung über eine Person, Gruppe oder Situation gebildet hat, BEVOR alle Informationen bekannt sind oder ohne wirklich neutral zu urteilen.
- Man ist nicht objektiv, weil persönliche Gefühle, Vorurteile oder Erwartungen das Denken beeinflussen.
- Voreingenommenheit ist, als würden wir alles und jeden durch einen individuellen Schleier betrachten. Wir sehen nicht so wie es wirklich ist, sondern so wie unsere Prägung und Perspektive alles färbt.
- Neutralität ist nicht möglich.
- Voreingenommenheit ist nicht dasselbe wie ein Vorurteil
- Vorurteil: die konkrete vorgefasste Meinung
- Voreingenommenheit= der Zustand oder die Haltung, nicht neutral zu sein.
- Voreingenommenheit ist nicht nur negativ -> Beispiel: Du vertraust einem Freund schneller, weil du gute Erfahrungen mit ihm gemacht hast. Oder Eltern sind oft zugunsten ihrer Kinder voreingenommen (gehen vom besten aus). Man hat positive Erwartungen gegenüber Menschen, die man liebt.
- Aber heute geht’s es um die negativen Seiten/ tödliche Haltung von Voreingenommenheit
- Was sind verschiedene Arten von Voreingenommenheit?
- Unbewusste Voreingenommenheit:
- Manchmal reicht schon ein Gesicht, eine Ausstrahlung oder eine Art zu reden und wir vertrauen einem Menschen schneller oder halten Abstand
- Nicht wegen dem, was wir wirklich wissen, sondern wegen dem, was unser Inneres sofort interpretiert.
- Man hält Menschen, die man attraktiv findet, automatisch für symphytischer.
- Man vertraut Menschen eher, die einem ähnlich sind.
- Emotionale Voreingenommenheit:
- Wenn wir z.B. verletzt oder enttäuscht wurden, verändert das unsere Wahrnehmung
- Wir hören nicht mehr neutral zu
- Nach einem Streit interpretiert man alles negativ
- Das gibt es auch im positiven
- Verliebte sehen weniger deutlich (Rosarote Brille)
- Ideologische oder weltanschauliche Voreingenommenheit
- Unsere Überzeugungen entscheiden vorher, was wir überhaupt annehmen können
- Man nimmt leichter das an, was zur eigenen Sicht passt
- Soziale Voreingenommenheit:
- Menschen werden nach Status, Herkunft oder Aussehen unterschiedlich behandelt
- Schutz-Voreingenommenheit
- Oft entsteht Voreingenommenheit aus Enttäuschungen, Verletzungen oder unerfüllten Erwartungen (Gebet etc.)
- Das Herz beginnt sich zu schützen, erwartet vorsorglich das negative und sucht Kontrolle
- Kontrolle = sicherer als Vertrauen
- Dadurch werden wir innerlich festgelegt und hören nicht mehr offen hin, sondern nur noch auf das, was unsere bisherigen Erfahrungen bestätigen
- Wie äußert sich das gegenüber Menschen und Gott?
Menschen:
- Äußert es sich, z.B. darin, dass wir:
- Schneller Urteilen
- Wir begegnen Menschen mit Unterschiedlichen Maßstäben -> dem einen geben wir sofort Verständnis, Geduld und Chancen, dem anderen begegnen wir direkt mit Härte und Distanz
- Wir hören nicht zu -> weil wir innerlich längst entschieden haben, wer die Person ist und was sie meint oder warum sie etwas tut
- So entsteht Schubladendenken (Aussehen, Herkunft, Gemeinde, Beruf …)
Gott: Wir denken wir wüssten
- Wie Gott reden wird -> auch durch welche Menschen
- Wie Heilung aussehen muss -> am liebsten direkt, wenn Person x/y Hand auflegt
- Wie Durchbruch aussehen muss -> so fokussiert auf das WIE, dass wir nicht merken, DASS er längst handelt
- Wie ein „guter Christ“ aussieht -> wir tragen dann alle eine Maske, die fake ist, man verliert sich selbst, um in dieses Bild zu passen
- Wir fangen an eine Version von uns selbst zu bauen, von der wir denken, dass Gott sie lieber mögen würde (Weil wir alles richtig machen wollen)
- Wir machen dann auch oft jeden nieder der nicht in dieses „Bild“ passt
- Verpassen Individualität und Fassetten von Gott
- Religion liebt Fassaden – Jesus liebt Wahrheit und echt Herzen und Charaktere
- Wie Gebete beantwortet werden
- Wie ein Lebensweg ablaufen muss (Ehe, Single, Job…)
- Wie Gott ist -> strenger Vater, bester Freund etc.
- Voreingenommenheit ist eine innere Festlegung, bevor Gott überhaupt gesprochen hat
- Was macht es mit den Menschen?
- Oft kommen wir gar nicht mehr offen und leer zu Gott, sondern mit unserer eigenen Vorstellung und Festlegung
- Wir denken:
- Wenn Gott mich liebt, dann tut er das…
- Wenn er was tun wird, dann nur auf dieser Art und Weise…
- Wir gehen nicht mehr mit Fragen oder Zweifeln zu Gott, sondern mit vorgefertigten Meinungen und Entscheidungen, suchen Bestätigung und keine Antwort. Wir haben schon alles vorbereitet, gehen mit unserem eigenen vorgefertigten Vertrag zu Gott und wollen nur noch eine Unterschrift (unbewusst, passiert im Herzen und ist gar nicht offensichtlich für uns)
- Aber wir müssen leer zu Gott kommen, sonst können wir ihn gar nicht hören
- Seine Wege sind nicht unsere Wege (sehen es in der Bibel immer wieder und ich bin mir sicher jeder hatte selbst schon so Erlebnisse)
- Wir verpassen Gott nicht, weil er nicht spricht, sondern weil wir nur auf die Antwort vorbereitet sind, die wir erwarten.
- Beispiel Krankenhaus (Gebet für Patientin, aber eig. wars die andere)
- Jesaja 55,8-9: 8 Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR; 9 sondern so hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind meine Wege als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.
- Sprüche 3; 5-6: 5 Vertraue auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand; 6 erkenne Ihn auf allen deinen Wegen, so wird Er deine Pfade ebnen.
- Gott schreibt eh die besten Storys
- Voreingenommenheit hat Folgen:
- Führt zu Missverständnissen/ falsche Urteile
- Beziehungen werden verzerrt -> Denn, wenn ich jemanden nur durch meine Vorannahme sehe, sehe ich ihn nicht mehr so wie Gott ihn sieht
- Durch Voreingenommenheit wiederholen sich auch oft alte Verletzungen, weil wir aus Angst, Enttäuschung oder Misstrauen anfangen, Mauern zu bauen -> wir erwarten neuen Schmerz und behandeln Menschen schon so, als hätten sie uns bereits verletzt
- Das Gefährliche daran ist: Unser Herz kann dabei verhärten (weniger offen für Wahrheit, Korrektur oder Mitgefühl)
- Eine weitere Folge: Geistlicher Stolz -> „Ich sehe klar, Ich weiß schon, wie diese Menschen sind, Ich bin richtig“
- Behinderung von Liebe
- Verzerrtes Gottesbild
- Voreingenommenheit macht uns blind, sie versperrt Türen, die Gott öffnen möchte und hindert Liebe daran zu fließen
- Tödliche Haltung, weil wir unsere Vorstellungen mehr lieben als Gottes Reden
- Geistliche Voreingenommenheit entsteht dort, wo unsere Vorstellungen lauter werden als Gottes Reden
- Gott hat dir vllt das Ziel gezeigt, aber glaub nicht, dass du den Weg kennst bzw dass alles so läuft wie du es dir vorstellst… es wird besser.
- Kirchenväter
- Schon unsere Kirchenväter haben verstanden, wie sehr das menschliche Herz dazu neigt, voreingenommen zu sein.
- Augustinus sagte „Nicht das Auge sieht richtig oder falsch, sondern der Geist, der schon liebt oder hasst“
- Unser Problem ist nicht das, was wir sehen, sondern das Herz, mit dem wir schauen.
- Johannes Chrysostomos sagte „Wer richten will, bevor er verstanden hat, macht sein Urteil zum Diener seiner Leidenschaft“
- Wie oft urteilen Menschen vorschnell, nicht aus Wahrheit, sondern aus Emotionen, Stolz, Verletzung oder innerer Festlegung.
- Gregor der Große sagte „Oft hält der Mensch das für Wahrheit, was nur der Wunsch seines Herzens ist“
- Das ist Voreingenommenheit- Wenn wünsche, Erfahrungen, Ängste oder Vorstellungen anfangen, unsere Sicht mehr zu prägen als die Wahrheit (welche Jesus Christus ist)
- Auch die Kirchenväter verbanden Voreingenommenheit oft mit Stolz, mangelnder Demut und einem Herzen, das nicht mehr offen ist. Denn ein stolzes Herz glaubt alles zu wissen, ein demütiges aber bleibt lehrbar vor Gott.
- Bibel + Lösung
- Wir sehen es in der Bibel:
- Das Wort „Voreingenommenheit“ gibt es nicht im griechischen oder hebräischen. Das ist ein deutsches Wort. Aber das Konzept dahinter finden wir überall in der Bibel.
- Samuel und David
- Samuel soll den nächsten König salben und kommt in Isais Haus
- Er sieht Eliab. Groß, stark, beeindruckend und denkt direkt „Das muss der Gesalbte sein“
- Aber Gott unterbricht ihn!!!
- Samuel 16;7: 7 Aber der HERR sprach zu Samuel: Schaue nicht auf sein Aussehen, noch auf seinen hohen Wuchs, denn ich habe ihn verworfen! Denn [der HERR] sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht; denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, der HERR aber sieht das Herz an!
- Selbst geistliche reife Menschen können Gottes Wirken verpassen, wenn sie zu festgelegt sind.
- Jona -> Er hatte ein Bild davon, wem Gott gnädig sein darf. In seiner Vorstellung verdienten die Menschen aus Ninive kein Erbarmen aber Gottes Herz war größer als Jonas festgelegtes Bild.
- Hiob -> Seine Freunde waren voreingenommen in ihrem Denken über Leid. Sie dachten: Wenn jemand leidet, muss er gesündigt haben.
- Hosea -> Gott fordert ihn auf eine Prostituierte zu heiraten, um zu zeigen, dass Israel genauso untreu geworden war. So offenbarte Gott seine unbegreifliche Liebe
- Naam -> hatte ein festes Bild davon wie Gott zu heilen hat. Er hat fast seine Heilung verpasst, weil der Weg anders und zu simpel für seine Erwartungen war
- Josef -> Sein Weg sah überhaupt nicht nach Verheißung aus
- Größtes Beispiel: JESUS
- Der Messias stand direkt vor ihnen aber, weil er nicht in das Bild passte, welches die Menschen hatten, haben sie ihn verworfen. Sie wollten einen König. Er kam als Diener, um für unsere Sünden zu sterben.
- Wie kommt man da praktisch raus?
- Müssen Voreingenommenheit umprogrammieren -> Seelsorge und Aufarbeitung
- Um Voreingenommenheit zu brechen, müssen wir sie erst erkennen, bestehen vorher sie kommt und wir brauchen Demut und leere Herzen
- Denn Stolz sagt „Ich weiß schon, wie Gott handeln wird“
- Demut bedeutet Gott Gott sein lassen, die Freiheit lassen anders zu antworten als erwartet
- Demut -> Ich vertraue Gott, auch wenn alles anders aussieht als ich dachte
- Geistliche Reife= an Gottes Hand zu laufen, auch wenn man die nächsten Schritte noch nicht klar sehen kann-> er ist ein guter Vater -> Matthäus 7; 9-11 9 Oder ist unter euch ein Mensch, der, wenn sein Sohn ihn um Brot bittet, ihm einen Stein gibt, 10 und, wenn er um einen Fisch bittet, ihm eine Schlange gibt? 11 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben versteht, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten!
- Richtige Haltung, um zu empfangen
- Alles wird gut werden, es ist sein Wille
- Psalm 32;8: 8 — »Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, auf dem du wandeln sollst; ich will dir raten, mein Auge auf dich richten.
- Wenn er sogar für uns gestorben ist, wie viel mehr wird es uns richtig führen
- Wenn wir ihn um Weisheit bitten, WARUM sollte er uns nicht antworten?
- Jakobus 1,5: 5 Wenn es aber jemand unter euch an Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen gern und ohne Vorwurf gibt, so wird sie ihm gegeben werden.
- Unser Anteil zu wissen, dass alles gut sein wird.
- Auch wenn sich der nächste Schritt weltlich gesehen unlogisch anfühlt
- Jahreslosung: Gott macht alles neu aber das Alte sieht oft noch so vertraut aus -> Bild Vogelspinne
- Die alte Haut:
- Sieht echt aus
- Hat dieselbe Form
- Erinnert an das alte
- Wirkt vertraut
- Aber sie hat kein Leben mehr
- Manche alten Denkweisen, Bilder, die wir von Gott haben, Erwartungen, Ängste oder religiösen Muster sehen für uns noch „richtig“ aus
- Aber Gott sagt „Das war einmal – Ich mache jetzt was neues“
- Manchmal hält Gott uns in einem Prozess der Erneuerung aber wir klammern uns noch an alte Hüllen
- Nur weil etwas vertraut aussieht, heißt das nicht, dass noch Leben darin ist.
- Wir dürfen uns von Gott neu machen lassen
- Neuer Wein gehört in neue Schläuche, weil die alten nicht mehr flexibel sind und die Ausdehnung des neuen Weins nicht tragen können. Was einmal getragen hat kann zu eng werden für das Neue Gottes.
- Alte Schläuche sind nicht dehnbar.
- Dasselbe macht Voreingenommenheit mit uns-> es macht uns unflexibel, innerlich unbeweglich, Festgelegt, starr und kontrolliert
- Unsere Prägung und unsere Perspektive und Schleier muss vom Himmel kommen
- Das ist ein Prozess:
- Des Loslassens
- Des Vertrauens
- Gott neu kennenzulernen
- Jeden Tag 1% Besser = Fortschritt (Können nicht von heute auf morgen perfekt sein -> wie wenn man Rückschläge hat und plötzlich sein ganzes Leben ändern will)
- Was steht heut für mich an?
- Heute geht es darum, unsere Voreingenommenheit zu erkennen und nicht länger festzuhalten. Denn Voreingenommenheit macht das Herz starr und unbeweglich.
- Sie lässt nur das zu, was in die eigene Vorstellung/Prägung passt
- Aber Gott hat uns nichts zu innerer Enge berufen, sondern er führt uns in Vertrauen und will uns seine Sicht und Pläne zeigen.
- Wir brauchen geistliche Beweglichkeit.
- Das bedeutet auch sich von Gott korrigieren zu lassen, alte Bilder loszulassen, festgelegte Meinungen niederzulegen und Gott neu kennenzulernen.
- Dafür brauchen wir Demut, die uns dazu befähigt Gottes Wahrheit höherzustellen als die eigene Sicht.
- Dann werden wir leer vor Gott. Nicht auf eine hoffnungslose Art und Weise, sondern leer von Stolz, Kontrolle und vorgefertigten Bildern.
- Leer genug, damit Gott sprechen kann.
- Leer genug, damit der Himmel unsere Perspektive verändert.
- Bei allem sollten wir zuerst mit der Frage „Gott was sind deine Gedanken darüber“ starten
- Schluss
- Schaut doch mal in die Natur. Bäume wachsen nicht gleichmäßig schnell, Äste wachsen in alle Richtungen. Wurzeln verlaufen kreuz und queer. Flüsse fließen nicht grade und Berge sind nicht glatt. Das, was für uns aussieht, wie Chaos ist für Gott perfekte Ordnung und Design.
- Und schaut euch mal gegenseitig an, kein Gesicht ist symmetrisch und unsere Adern verlaufen nicht wie grade Linien.
- Gott passt nicht in UNSERE Ordnung oder Vorstellung/ in das, was wir gewohnt sind. Wir sind diejenigen die lernen müssen, unsere Ordnung Gott zu unterstellen