ICB Int. Ministry Training 4 Himmelsrichtungen der Leitung 2 Meine Kollegen leiten Mario Wahnschaffe

Mario Wahnschaffe

6. Juni 2026
54 Minuten

ICB Int. Ministry Training

4 Himmelsrichtungen der Leitung

Teil 2 Meine Kollegen leiten – Mario Wahnschaffe

1.1.1                    Mitarbeiter in Gottes Gemeinde aus biblischer Sicht

„Die Evodia ermahne ich, und die Syntyche ermahne ich, dieselbe Gesinnung zu haben im Herrn! Ja ich bitte auch dich, mein rechter Gefährte, stehe ihnen bei, die in dem Evangelium zusammen mit mir gekämpft haben, auch mit Klemens und meinen übrigen Mitarbeitern, deren Namen im Buch des Lebens sind.“

Philipperbrief 4,2-3

Hier lesen wir etwas über die Wertschätzung Gottes für Mitarbeiter seiner Gemeinde, und wie diese Wertschätzung durch Paulus zum Ausdruck gebracht wurde.

Das Problem war: Zwei ehemalige enge Mitarbeiterinnen von Paulus hatten Schwierigkeiten in ihrer Zusammenarbeit. Vielleicht gab es einen Streit, aufgrund dessen sie sich getrennt hatten. Wie begegnet Paulus diesem Problem?

  • Mit Vision (visionär): Er ermahnt sie, dieselbe Gesinnung, dasselbe Denken zu haben. Sie hatten ihr gemeinsames Ziel und die gemeinsame Vision vergessen und sich auf ihren eigenen Horizont beschränkt.
  • Mit einem Lösungsvorschlag (lösungsorientiert): Paulus bittet einen Mitstreiter, den beiden in diesem schwierigen Konflikt beizustehen. Hier wird noch einmal die Wertschätzung Gottes deutlich: Es geht ihm nicht in erster Linie darum, wer recht hat oder um das Projekt, sondern um versöhnte Beziehungen und um Menschen. Menschen sind wertvoller als Projekte.
  • Mit Wertschätzung (wertschätzend): Paulus drückt seine Wert­schätzung und Liebe für seine Mitarbeiterinnen aus, die zusam­men mit ihm für das Evangelium gekämpft haben und deren Namen im Buch des Lebens eingeschrieben sind.

Zusammenfassend können wir sagen: Gott geht es in allem, was wir tun, immer um Leben, um ewiges Leben.

Ein Negativ-Beispiel: Eine Mitarbeiterin hat aufgrund eines unver­arbeiteten Konfliktes in der Zusammenarbeit mit einer anderen Mit­arbeiterin Glaubensprobleme, was dazu führt, dass sie nicht mehr in die Gemeinde geht.

1.1.2                   Ursachen von Konflikten in der Zusammenarbeit

Es gibt eine ganze Reihe von möglichen Ursachen eines Konfliktes, derer man sich im eigentlichen Konflikt nicht immer bewusst ist, weil diese oft verdeckt sind.

Um Konflikte gesund lösen zu können, ist es wichtig, die Dynamik und mögliche Ursachen des Konfliktes zu verstehen. Ursachen sind häufig:

  • Unterschiedliche Zielvorstellungen, unklare Vision und fehlende Arbeitsbeschreibung
  • Mangelnde Kommunikation und mangelndes Vertrauen in der Beziehung
  • Schlechte Beziehungs-Chemie, verschiedenartige DISG[1] Typen
  • Persönliche Schwierigkeiten: Geringes Selbstwertgefühl, miss­brauchtes Autoritätsverständnis auf Grund von negativen Erfah­rungen mit Autoritätspersonen in der Vergangenheit, Bitterkeit
  • Mangelnde Qualität der ausgeführten Tätigkeit

Es ist wichtig zu erkennen, dass bei jedem Konflikt drei verschiedene Ebenen in Aktion treten können: die Sachebene, die Beziehungs­ebene und die Visionsebene. Diese interagieren häufig miteinander, was Verwirrung auslösen kann.

1.1.3                   Praktische Konfliktbewältigung

1.1.3.1              Konflikte auf der Sachebene

(1) Bewältigung von Konflikten aufgrund mangelnder Qualität der Arbeit

Zeitpunkt:

Möglichst bald nach dem Vorfall das Gespräch suchen (Mt 5,23[2]; Eph 4,26[3]).

Dabei ist zu berücksichtigen:

  • Ein Gespräch direkt danach – im Affekt – kann von Gefühlen des Ärgers geprägt sein.
  • Ein Gespräch, das zu spät geführt wird, ist oft durch verbitterte Gefühle geprägt.

Atmosphäre:

  • Mit Dankbarkeit
  • Mit Wertschätzung und Freundlichkeit
  • Ohne Vorwurf

Art und Weise:

  • sachlich
  • Persönliches ausklammern
  • über einzelne Dinge, Handlungen sprechen
  • nie als Haltungen generalisierend
  • durch Fakten überzeugen
  • gemeinsame Ziele betonen und daran erinnern

Abschluss: In Dankbarkeit und mit der Entscheidung, bereinigte Fehler zu vergessen.

 

(2) Bewältigung von Konflikten aufgrund fehlender oder unklarer Arbeitsbeschreibungen

Fehlende oder unklare Arbeitsbeschreibungen führen zu unnötigen Missverständnissen.

Beispiel: Wird die Besucherkarte für Erstbesucher am Kassettentisch oder am Infopunkt abgegeben? Dies hat zu vielen unnötigen Konflik­ten und Verärgerungen geführt, auch bei den Besuchern.

Lösung: Alle Beteiligte setzen sich zusammen, verfassen eine neue Arbeitsbeschreibung oder aktualisieren die bisherige.

Biblisches Beispiel: Ein biblisches Beispiel für teamorientierte Kon­fliktlösung ist die Regelung der Aufnahme von Heidenchristen in die Urgemeinde (Apostelgeschichte 15).

„Dann schien es den Aposteln, den Ältesten, samt der ganzen Gemeinde gut …“

Apostelgeschichte 15,22

 

„Denn es hat dem Heiligen Geist und uns gut geschienen …“

Apostelgeschichte 15,28

(3) Bewältigung von Konflikten aufgrund unbekannter Kompetenzen

Beispiel: Eine immer wiederkehrende Problematik: „Der Pastor hat mir gesagt, du sollst das und das für mich machen.“

Lösung: Freundliche Absage: „Wenn dies so wäre, hätte der Pastor mich auch zuvor in Kenntnis setzen sollen.“ Das bedeutet: Im Zwei­felsfall im Gemeindebüro oder beim Pastor um Klärung bitten.

 

(4) Bewältigung von Konflikten aufgrund unausgesprochener Erwar­tungen

Beispiel: Oft erwarten Prediger, dass die Kinderdienstmitarbeiter die Überziehung der Gottesdienste auffangen. Dies führte dazu, dass die Kinderdienstmitarbeiter sich nicht wertgeschätzt fühlten.

Lösung: Unausgesprochene Erwartungen ansprechen und in die Ar­beitsbeschreibung einarbeiten oder ggf. streichen.

1.1.3.2            Konflikte auf der Beziehungsebene

Wenn sich Konflikte nicht allein auf der Sachebene lösen lassen, spielen eventuell Beziehungsprobleme mit hinein, die nicht so leicht zu lösen sind. Davon gibt es eine unendliche Zahl von Varianten. Hier seien nur die wichtigsten erwähnt.

(1) Bewältigung von Konflikten aufgrund von Vorurteilen oder mangelndem Vertrauen

Beispiel: Konflikte, die auftreten, weil man den anderen nicht kennt und vorgefasste Meinungen hat. Das führt dann dazu, dass man das Verhalten des anderen falsch interpretiert und gereizt reagiert. Grund ist mangelnde Kommunikation.

Lösung: Den Kollegen einmal nach Hause einladen zum Kaffee oder zum Essen, um ihn kennenzulernen. Allein das Wissen um familiäre Hintergründe oder alltägliche Schwierigkeiten des anderen hilft immens.

(2) Bewältigung persönlichkeitsbedingter Konflikte aufgrund verschiedener DISG-Profile

Siehe dazu auch Punkt 3.2.2 („Ursachen von Konflikten in der Zusam­menarbeit“, S. 28).

Biblisches Beispiel: Der Konflikt zwischen Paulus und Barnabas wegen der Mitarbeit von Johannes Markus (Apg 15,35-41)[4]. Paulus ist eher ein D-Typ und ergebnisorientiert. Für ihn stand die Mission im Vordergrund. Barnabas ist als I-S-Typ menschenorientiert. Für ihn stand die Entwicklung von Markus im Vordergrund.

 

 

(3) Bewältigung persönlichkeitsbedingter Konflikte aufgrund unter­schiedlicher Konfliktbewältigungs-Strategien

Die Art und Weise, wie wir Konflikte lösen, ist oft durch unsere Kind­heit geprägt.

Beispiele: Der eine hat gelernt, Konflikte zu lösen, indem er sie um­geht und „runterschluckt“ oder „draufzahlt“. Denn er hat seine (viel­leicht später geschiedenen) Eltern nie Streiten gesehen und hat nicht Streiten gelernt.

Der andere löst Konflikte auf sehr konfrontative und aggressive Art, da er die Eltern immer hat streiten sehen und z.B. seine Mutter verteidigen wollte.

Lösung: Wir merken, dass gerade hier sich Beziehungsebene und Sachebene miteinander vermischen. Da hilft nur eins: Hilfe suchen bei einem erfahrenen Vermittler, der die Missverständnisse klären kann und den Kollegen hilft, bewusster miteinander zu streiten.

(4) Bewältigung persönlichkeitsbedingter Konflikte aufgrund eines geringen Selbstwertgefühls

Problematik: Leiter stehen in der Gefahr, ihren eigenen Selbstwert durch ihre Tätigkeit zu definieren. Manche der Dienste in der Gemeinde stehen im Rampenlicht, andere Dienste geschehen im Hintergrund. Oft entstehen Konflikte, weil Dinge überinterpretiert werden, weil man sich benachteiligt fühlt.

Lösung: Für jeden von uns ist es äußerst wichtig, seinen Selbstwert nicht durch seine Aufgabe zu definieren, sondern in Gottes Sicht über sich.

Gottes Geist belehrt uns über die göttlichen Prinzipien des Leibes Jesu (1.Kor. 12):

  • Wertschätzung: Ich brauche Dich, du bist wichtig ( 21)[5].
  • Auch die schwächer scheinenden Glieder sind notwendig ( 22)[6]!
  • Die uns weniger wichtig scheinenden Glieder umgeben wir mit größerer Ehre ( 23)[7].
  • Alle Glieder leiden mit, wenn ein Glied leidet, damit keine Spal­tung im Leib sei ( 26)[8].
  • Wenn ein Glied verherrlicht wird, freuen sich alle Glieder mit ( 26).

1.1.3.3            Konflikte auf der Visionsebene

Wenn eigene Ziele und Interessen oder selbstsüchtige Verwirkli­chungstendenzen in der Gemeinde überhandnehmen sollten, dann ist es wichtig, dass wir uns wieder gemeinsam auf die Vision der Ge­meinde besinnen.

 

 

„Wenn keine Vision da ist, verwildert ein Volk, aber wohl ihm, wenn es das Gesetz beachtet.“

Sprüche 29,18

Es geht um Menschen und darum, wo diese die Ewigkeit verbringen werden.

Diesem Ziel müssen sich unsere Kleinziele unterordnen.

Fazit: Gemeinsam gut bestandene Konflikte stärken unser Vertrauen zueinander. Konflikte, die nicht ausgetragen wurden oder schlecht miteinander gelöst wurden, trennen uns.

Unsere gemeinsame Vision ist:

Alle Nationen und alle Generationen mit dem Evangelium zu erreichen und sie zu hingegebenen Jüngern Jesu zu machen.

1.1.4                   Rekrutierung neuer Mitarbeiter

Eine große Herausforderung für unsere Arbeitskreisleiter ist die Rekrutierung neuer Mitarbeiter für ihre Teams. Nach den wertvollen Erfahrungen unserer Kleingruppenleiter und Arbeitskreisleiter hat sich folgende Vorgehensweise bei der Rekrutierung neuer Team­mitarbeiter bewährt:

Bevor du ein Gemeindemitglied ansprichst und es bittest, in deinem Team mitzuarbeiten, solltest du folgende Infos einholen:

  • Du solltest den Kleingruppenleiter des jeweiligen Kandidaten fra­gen, ob er geistlich und persönlich reif genug ist für die Aufgabe, die du dir für ihn vorgestellt hast. Damit hilfst du mit zu ver­hindern, dass zu junge oder unreife Gläubige überfordert wer­den.
  • Du solltest prüfen, ob der Kandidat schon fester Mitarbeiter in einem anderen Team ist. Falls deine Rekrutierung zu einem Team­wechsel führt, der nicht mit dem anderen Arbeitskreisleiter abge­sprochen ist, könnte dies zu Verletzungen und Spannungen führen.

Falls ein Teammitglied aus einem anderen Team zu dir in dein Team wechseln möchte, versäume bitte nicht, auch in diesem Fall zuerst mit dem anderen Teamleiter zu sprechen. Vielleicht macht er dich auf mögliche, dir unbekannte Schwierigkeiten aufmerksam, die für deine Rekrutierungsentscheidung wichtig sein könnten.

Fazit: Bevor du neue Mitarbeiter rekrutierst, suche zuerst immer das Gespräch mit dem betreffenden Kleingruppenleiter und dem evtl. vorhergehenden Teamleiter.

[1] Das DISG®-Persönlichkeits-Profil stammt von John G. Geier und ist ein Persönlich­keitsmodell, das als Diagnose-Instrument zur Analyse und Bewertung der individuellen privaten und beruflichen Teamfähigkeit dient. Vier Haupttypen werden dabei unterschieden: dominant, initiativ, stetig und gewissenhaft. (Quelle: Friedbert Gay (Hrsg.): DISG-Persönlichkeitsprofil, Frankfurt am Main: Gabal-Verlag, 2004)

[2] „Wenn du nun deine Gabe darbringst zu dem Altar und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, […]“ (Matthäusevangelium 5,23)

[3] „Zürnet, und sündigt dabei nicht! Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn.“ (Epheserbrief 4,26)

[4] „Paulus aber und Barnabas verweilten in Antiochia und lehrten und verkündigten mit noch vielen anderen das Wort des Herrn. Nach einigen Tagen aber sprach Paulus zu Barnabas: Lass uns nun zurückkehren und die Brüder besuchen in jeder Stadt, in der wir das Wort des Herrn verkündigt haben, und sehen, wie es ihnen geht. Barnabas aber wollte auch Johannes, mit dem Beinamen Markus, mitneh­men. Paulus aber hielt es für richtig, den nicht mitzunehmen, der aus Pamphylien von ihnen gewichen und nicht mit ihnen gegangen war zu dem Werk. Es entstand nun eine Erbitterung, so dass sie sich voneinander trennten und Barnabas den Markus mitnahm und nach Zypern segelte. Paulus aber wählte sich Silas und zog aus, von den Brüdern der Gnade Gottes befohlen. Er durchzog aber Syrien und Zilizien und stärkte die Gemeinden.“ (Apostelgeschichte 15,16-41)

[5] „Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht; oder wieder das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht.“ (1.Korintherbrief 12,21)

[6] „Sondern gerade die Glieder des Leibes, die schwächer zu sein scheinen, sind notwendig.“ (1.Korintherbrief 12,22)

[7] „[…] und die uns die weniger ehrbaren am Leib zu sein scheinen, die umgeben wir mit größerer Ehre; und unsere nichtanständigen haben größere Anständigkeit.“ (1.Korintherbrief 12,23)

[8] „Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; oder wenn ein Glied verherrlicht wird, so freuen sich alle Glieder mit.“ (1.Korintherbrief 12,26)



Audio

Audio herunterladen