DIE GÖTTLICHE SPRACHE „Die Kraft der Zunge“ – Johanna und Michel Sanya
DIE GÖTTLICHE SPRACHE
„Die Kraft der Zunge“
Richter 12,5-6
„Gilead nahm die Furten des Jordan ein, die nach Ephraim führten. Wenn nun ein Flüchtling aus
Ephraim sagte: Lass mich hinüber! so fragten ihn die Männer von Gilead: Bist du ein
Ephraimiter? Wenn er sagte: Nein!, so sprachen sie zu ihm: Sag doch Schibboleth! Wenn er aber
sagte: Sibboleth, weil er es nicht richtig aussprechen konnte, ergriffen sie ihn und erschlugen ihn
an den Furten des Jordan. So fielen damals zweiundvierzigtausend Männer aus Ephraim.
“
I. EINLEITUNG — WENN EIN WORT VERRÄT, WER DU BIST
Ich möchte mit einer kleinen Geschichte beginnen. Es ist ein Witz, den mir meine Mutter
früher über die Pygmäen erzählt hat. In manchen volkstümlichen Geschichten wird erzählt,
dass einst ein benachbartes Volk, die Bantu, die Pygmäen angriff. Drei Pygmäen beschlossen
daraufhin, sich tot zu stellen. Sie legten sich auf den Boden, bestrichen sich mit Palmöl, um
Blut nachzuahmen, und blieben vollkommen regungslos. Drei Krieger kamen, um die Körper
zu überprüfen. Der erste Krieger ging zu einem der Pygmäen, stieß ihn mit dem Fuß an und
sagte:
— Oh! Dieser hier ist wirklich das hässlichste Wesen, das ich je gesehen habe!
Der Pygmäe hörte die Beleidigung. Er versuchte, still zu bleiben. Aber er schaffte es nicht.
Wütend rief er: — Wer ist hier hässlich? Hast du dein eigenes Gesicht gesehen?
Der Krieger rief: — Ah! Er lebt! Und er beseitigte ihn.
Der zweite Pygmäe, der alles mitbekommen hatte, dachte: „Was für ein Idiot! Warum hat er
nur seinen Mund aufgemacht?“ Und er sagte laut: — Idiot! Warum hast du deinen Mund
aufgemacht?
Die Krieger hörten ihn. Auch er wurde beseitigt. Der dritte Pygmäe sagte sich: „Ich werde
überhaupt nichts sagen.
“ Er blieb einige Sekunden still. Dann rief er: — Ich werde nichts
sagen! Leider sagte er es laut. Auch er verlor sein Leben.
Drei Männer. Eine einzige Ursache. Der Mund. Wir können über diese Geschichte lachen. Aber
hinter diesem kleinen Witz steckt eine geistliche Wahrheit, die uns die Bibel sehr ernst lehrt:
„Tod und Leben stehen in der Gewalt der Zunge.
“
— Sprüche 18,21
Das bedeutet: Unser Mund ist keine Nebensache. Deine Zunge ist in der geistlichen Welt nicht
unbedeutend. Sie ist klein in deinem Mund, aber sie kann große Folgen hervorbringen. Ein
Wort kann jemanden ermutigen. Ein Wort kann jemanden zerstören. Ein Wort kann eine
Beziehung wiederherstellen. Ein Wort kann eine Beziehung zerbrechen. Ein Wort kann
Hoffnung geben. Ein Wort kann Entmutigung hervorrufen. Und manchmal sprechen wir
Worte in wenigen Sekunden aus, während wir anschließend Jahre mit ihren Folgen leben.
Deshalb müssen wir lernen zu sprechen.
II. DIE ZUNGE OFFENBART UNSERE IDENTITÄT
In unserem Text hatten die Männer von Gilead etwas sehr Einfaches gefunden, um die
Ephraimiter zu erkennen. Sie fragten nicht: „Zeig mir deinen Pass.
“ Sie fragten nicht: „Gib mir
deine Geburtsurkunde.
“ Sie sagten einfach: „Sag Schibboleth.
“ Und der Ephraimiter
antwortete: „Sibboleth.
“ Ein einziger Unterschied in der Aussprache genügte. Warum? Weil
die Sprache die Identität offenbarte. Du konntest versuchen, deine Identität zu verbergen. Du
konntest versuchen zu lügen. Du konntest sagen: „Ich bin kein Ephraimiter.
“Aber dein Mund würde dich schließlich verraten. Du kannst vieles verbergen, aber deine Art
zu sprechen offenbart oft, was in deinem Inneren ist.
Jesus sagt: „Denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund.
“
— Matthäus 12,34
Was im Herzen ist, kommt schließlich aus dem Mund. Wenn dein Herz voller Bitterkeit ist,
werden deine Worte es offenbaren. Wenn dein Herz voller Angst ist, werden deine Worte es
offenbaren. Wenn dein Herz voller Glauben ist, werden deine Worte es ebenfalls offenbaren.
Der Mund ist oft die Tür, durch die das Innere sichtbar wird.
III. DIE BEDEUTUNG DES WORTES
Menschen betrachten Worte oft als etwas Leichtes. Wir sprechen schnell. Wir reagieren
schnell. Wir versprechen schnell. Wir werden schnell wütend. Wir antworten schnell. Und
manchmal sprechen wir in fünf Sekunden ein Wort aus, das wir fünf Jahre lang bereuen. Es
gibt einen deutschen Ausdruck: „Ein Mann, ein Wort.
“ Dieser Ausdruck zeigt etwas Wichtiges:
Das Wort offenbart den Charakter. Ein Mensch wird auch daran erkannt, ob er zu seinem
Wort steht. Aber wenn wir Gott betrachten, entdecken wir etwas noch Größeres. Gott spricht
niemals unnötig. Wenn Gott spricht, hat sein Wort Gewicht. Wenn Gott etwas sagt, erfüllt sein
Wort das, was er beschlossen hat. Jesaja 55,11 lehrt uns, dass das Wort, das aus dem Mund
Gottes kommt, nicht wirkungslos zu ihm zurückkehrt. Warum? Weil Gott nicht so spricht wie
wir. Wir können sprechen, ohne nachzudenken. Gott spricht mit Absicht. Wir können etwas
versprechen und vergessen. Gott verspricht nichts, was er nicht erfüllen kann. Wir können
heute etwas sagen und morgen etwas anderes. Gott bleibt seinem Wort treu. Die Bibel sagt,
dass Gott nicht lügen kann. Und wir entdecken sogar, dass Gott Himmel und Erde durch sein
Wort geschaffen hat. Johannes 1,3 sagt: „Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne
dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.
“ Gott schafft durch sein Wort. Und wenn wir
nach seinem Bild geschaffen sind, müssen wir verstehen, dass auch unsere Worte Einfluss
haben. Natürlich ist unser Wort nicht das schöpferische Wort Gottes. Wir sind nicht Gott.
Aber unsere Worte können Atmosphären schaffen, Beziehungen beeinflussen, Glauben oder
Entmutigung vermitteln, aufbauen oder zerstören. Darum nimmt Gott unsere Worte ernst.
Jesus sagt: „Denn nach deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und nach deinen
Worten wirst du verurteilt werden.
“
— Matthäus 12,37
IV. DIE KRAFT DES WORTES
Was kann also ein Wort bewirken?
1. DAS WORT SCHAFFT
„Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht.
“
— Johannes 1,3 Ein Wort kann etwas entstehen
lassen, das in einer Beziehung, in einer Familie oder im Herzen eines Menschen noch nicht
vorhanden war. Ein einfaches: „Ich glaube an dich“ kann verändern, wie jemand sich selbst
sieht. Ein: „Du wirst es niemals schaffen“ kann jahrelang im Herzen eines Menschen bleiben.
Unterschätze niemals, was deine Worte hervorbringen können.
2. DAS WORT HEILT
„Er sandte sein Wort und machte sie gesund.
“
— Psalm 107,20 Es gibt Wunden, die Geld nicht
heilen kann. Es gibt Wunden, die Zeit allein nicht heilt. Aber manchmal kann ein Wort der
Liebe, ein Wort der Vergebung, ein Wort der Wahrheit und der Gnade zum Anfang einer
Wiederherstellung werden. Ein Mund, der früher der Zerstörung diente, kann zu einem Mund
der Heilung werden.
3. DAS WORT BRINGT LEBEN
„Tod und Leben stehen in der Gewalt der Zunge.
“
— Sprüche 18,21 Die Frage lautet also nicht
nur: „Spreche ich?“ Die Frage lautet: „Was bringen meine Worte hervor?“ Wenn ich spreche,gebe ich Leben? Oder verbreite ich Tod? Baue ich auf? Oder zerstöre ich? Bringe ich
Menschen zusammen? Oder trenne ich sie?
4. DAS WORT BRINGT GLAUBEN
„So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.
“
— Römer
10,17 Was du regelmäßig hörst, beeinflusst schließlich, was du glaubst. Darum müssen wir
darauf achten, was wir hören. Aber wir müssen auch darauf achten, was wir uns selbst sagen.
Manche Menschen wiederholen jeden Tag: „Ich kann das nicht.
“
„Ich werde es niemals
schaffen.
“
„Nichts wird sich ändern.
“
„Gott wird nichts für mich tun.
“ Wenn man solche Worte
immer wiederholt, werden sie schließlich zu einer Denkweise. Aber der Glaube kommt aus
dem Hören, und das Wort Christi muss die stärkste Stimme in unserem Leben werden.
5. DAS WORT STÄRKT DIE SEELE
Sprüche 16,24 sagt: „Freundliche Worte sind Honigseim, süß für die Seele und gesund für den
Leib.
“ Es gibt Menschen, die einen Raum betreten und Frieden mitbringen. Und es gibt andere,
die einen Raum betreten und sofort Spannung erzeugen. Warum? Weil Worte eine
Atmosphäre schaffen. Ein Haus kann voller Vorwürfe sein. Oder es kann voller Gnade sein.
Eine Familie kann von Kritik beherrscht werden. Oder sie kann durch Ermutigung aufgebaut
werden. Welche Atmosphäre bringt dein Mund an die Orte, an denen du eintrittst?
V. WIE SOLLEN WIR UNSERE ZUNGE GEBRAUCHEN?
Jetzt, da wir die Kraft des Wortes verstehen, müssen wir lernen, unsere Zunge zu
beherrschen.
1. WACHE ÜBER DEINEN MUND
„Wer seinen Mund bewahrt, behält sein Leben; wer aber seine Lippen weit auftut, dem bringt
es Verderben.
“
— Sprüche 13,3 Nicht alles, was du denkst, muss aus deinem Mund kommen.
Nicht alles, was du fühlst, muss sofort ausgesprochen werden. Nicht alles, was du weißt, muss
erzählt werden. Reife bedeutet nicht nur zu wissen, was man sagen soll. Reife bedeutet auch
zu wissen, wann man schweigen soll.
2. VERMEIDE SCHLECHTE WORTE
„Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was zur
Erbauung dient und den Hörenden Gnade gibt.
“
— Epheser 4,29 Paulus sagt nicht nur: „Sagt
nichts Schlechtes.
“ Er sagt: „Eure Worte sollen zur Erbauung dienen.
“ Gott möchte nicht nur
schlechte Worte aus unserem Mund entfernen. Er möchte unseren Mund mit guten Worten
füllen.
3. LASS DEIN WORT VON GNADE BEGLEITET SEIN
„Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden
antworten sollt.
“
— Kolosser 4,6 Wahrheit ohne Gnade kann verletzen. Gnade ohne Wahrheit
kann täuschen. Aber das Wort Gottes lehrt uns, Wahrheit und Gnade miteinander zu
verbinden.
4. BEWAHRE DIE TORE
Psalm 141,3 sagt: „HERR, behüte meinen Mund und bewahre die Tür meiner Lippen!“ Eine
Tür dient dazu, zu kontrollieren, was hinein- und hinausgeht. Beim Wiederaufbau Jerusalems
baute Nehemia die Mauern wieder auf und setzte die Tore der Stadt wieder ein. Warum?
Weil eine ungeschützte Stadt verwundbar ist. Auf dieselbe Weise müssen wir lernen, die
Tore unseres Lebens zu schützen. Unsere Überzeugungen. Unsere Beziehungen. Unsere
Familie. Unsere Ehe. Unsere Bildung. Unsere Arbeit. Unsere Finanzen. Unsere Karriere.Unsere Gesundheit. Unsere Projekte. Unsere Vision. Unsere Zukunft. Wir müssen darauf
achten, was wir in unser Herz hineinlassen. Aber wir müssen auch darauf achten, was aus
unserem Mund herauskommt. Denn manche Dinge, die wir heute sagen, werden zu
Realitäten, mit denen wir morgen leben müssen.
VI. LASST UNS DAS WORT SPRECHEN — LASST UNS LEBEN SPRECHEN
Wenn ich die Sprache des Königreiches Gottes sprechen möchte, was muss ich tun? Ich muss
die Sprache des Königreiches lernen. Und welche Sprache ist das? Das Wort Gottes. Die
göttliche Sprache ist nicht einfach die Sprache des positiven Denkens. Es geht nicht darum zu
sagen: „Ich werde erfolgreich sein, weil ich stark bin.
“ Es geht auch nicht darum zu sagen:
„Alles wird gut, nur weil ich es ausspreche.
“ Die göttliche Sprache bedeutet, unseren Mund an
der Wahrheit Gottes auszurichten. Nicht mein Wort wird zu Gott. Vielmehr muss sich mein
Wort dem Wort Gottes unterordnen. Ich spreche nicht einfach das, was ich mir wünsche. Ich
suche, das zu sprechen, was Gott sagt. Ich leugne die Schwierigkeiten nicht. Ich tue nicht so,
als gäbe es keine Probleme. Aber mitten in den Schwierigkeiten lasse ich das Wort Gottes
meine Antwort bestimmen.
VII. WIE LERNT MAN DIE GÖTTLICHE SPRACHE?
1. FÜLLE DEIN WESEN MIT DEM WORT
„Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen.
“
— Kolosser 3,16
Der erste Schritt ist einfach: Wir müssen unser Herz mit dem Wort füllen. Denn der Mund
redet aus der Fülle des Herzens. Wenn du dein Herz mit Angst füllst, wird die Angst sprechen.
Wenn du dein Herz mit Bitterkeit füllst, wird die Bitterkeit sprechen. Aber wenn du dein
Herz mit dem Wort Christi füllst, wird das Wort beginnen, durch dich zu sprechen.
2. BEWAHRE DAS WORT IN DEINEM HERZEN
„Ich behalte dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht wider dich sündige.
“
— Psalm
119,11 Das Wort darf nicht nur in unserer Bibel sein. Es muss in unserem Herzen sein. Es
muss zu unserer Orientierung werden. Es muss zu unserem Denken werden. Es muss zu
unserer Antwort werden. Es muss zu unserer Sprache werden.
3. LASS DAS WORT NICHT VON DEINEM MUND WEICHEN
„Und lass das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern sinne
darüber nach Tag und Nacht, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem, was darin
geschrieben steht; dann wird es dir auf deinen Wegen gelingen, und dann wirst du es recht
ausrichten.
“
— Josua 1,8 Das Wort ist Christus. Nicht unsere Worte und nicht unsere eigenen
Anstrengungen stehen im Mittelpunkt der göttlichen Sprache. Christus in uns, erfüllt von
seinem Wort, ist unsere Hoffnung der Herrlichkeit.
SCHLUSS — WELCHE SPRACHE KOMMT AUS DEINEM MUND?
Wir haben mit einer Geschichte begonnen, in der eine einfache Aussprache die Identität eines
Menschen offenbarte. Und wir können mit dieser Frage enden: Wenn jemand einen ganzen
Tag lang aufmerksam deiner Sprache zuhören würde, was würde er über deine Identität
entdecken? Würde er Angst hören? Würde er Entmutigung hören? Würde er Zorn hören?
Würde er ständig Klagen hören? Oder würde er Glauben hören? Würde er Hoffnung hören?
Würde er Gnade hören? Würde er das Wort Gottes hören? Denn letztlich offenbart die
Sprache, die wir sprechen, oft das, was unser Herz erfüllt. Und Jesus erinnert uns: „Denn aus
der Fülle des Herzens redet der Mund.
“ Suche deshalb nicht nur danach, deine Worte zu
verändern. Lass Gott verändern, womit dein Herz gefüllt ist. Denn wenn sich das Herz
verändert, verändert sich die Sprache. Wenn sich die Sprache verändert, können sichBeziehungen verändern. Wenn sich Beziehungen verändern, verändert sich die Atmosphäre.
Und wenn sich die Atmosphäre verändert, kann sich auch unsere Art verändern, mit den
Umständen zu leben. Lasst uns deshalb mit Christus erfüllt werden. Lasst uns mit seinem
Wort erfüllt werden. Lasst uns sein Wort in unserem Herzen bewahren. Und lasst uns sein
Wort reichlich in uns wohnen lassen. Denn das Wort ist Christus. Nicht unsere Worte stehen
im Mittelpunkt. Nicht unsere Anstrengungen. Nicht positives Denken. Christus in uns, erfüllt
von seinem Wort, ist unsere Hoffnung der Herrlichkeit. Lasst uns deshalb heute beten: „Herr,
setze eine Wache an meinen Mund. Lehre mich, so zu sprechen wie du. Lehre mich, mit Gnade
zu sprechen. Lehre mich, mit Glauben zu sprechen. Lehre mich, die Wahrheit zu sprechen.
Lass meine Worte nicht zerstören, sondern aufbauen. Lass sie nicht den Tod bringen, sondern
Leben vermitteln. Un