1. Korintherbrief „Charakter über Charisma“ Teil 11: Streitpunkt Gemeindeversammlung: Sind Frauen zur Lehre, Leitung und zum Dienst berufen? – Christine Gräbnitz
1. Korintherbrief „Charakter über Charisma“ Teil 11: Streitpunkt Gemeindeversammlung: Sind Frauen zur Lehre, Leitung und zum Dienst berufen? – Christine Gräbnitz
Einleitung:
• Thema betrifft mich selbst – nicht nur eine theoretische Frage.
• Kontroverses Thema.
• Gerade deshalb: Bibel auch dort ernst nehmen, wo sie uns herausfordert.
• Junge Gemeinde / Neugründung / wir bauen gerade Kultur und
Strukturen.
Frage heute:
„Dürfen Frauen lehren, leiten und predigen?“
Aber die tiefere Frage:
„Wie dienen Männer und Frauen gemeinsam Christus?“
• Nicht Konkurrenz.
• Nicht Kampf um Positionen.
• Nicht: Wer darf endlich nach vorne?
• Sondern: Herr, was hast du mir gegeben – und wie soll ich dir damit
dienen?
1. Korinther 11,2-16
Ich lobe euch, Brüder, dass ihr in allem an mich gedenkt und an den
Überlieferungen festhaltet, so wie ich sie euch übergeben habe.
3Ich will aber, dass ihr wisst, dass Christus das Haupt jedes Mannes ist,
der Mann aber das Haupt der Frau, Gott aber das Haupt des Christus.
4Jeder Mann, der betet oder weissagt und etwas auf dem Haupt hat,
schändet sein Haupt. 5Jede Frau aber, die mit unbedecktem Haupt betet
oder weissagt, schändet ihr Haupt; es ist ein und dasselbe, wie wenn sie
geschoren wäre! 6Denn wenn sich eine Frau nicht bedecken will, so soll
ihr auch das Haar abgeschnitten werden! Wenn es aber für eine Frau
schändlich ist, sich das Haar abschneiden oder abscheren zu lassen, so
soll sie sich bedecken.
7Denn der Mann darf das Haupt nicht bedecken, weil er Gottes Bild und
Ehre ist; die Frau aber ist die Ehre des Mannes. 8Denn der Mann kommt
nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann; 9auch wurde der Mann
nicht um der Frau willen erschaffen, sondern die Frau um des Mannes
willen. 10Darum soll die Frau [ein Zeichen der] Macht auf dem Haupt
haben, um der Engel willen.
1ICB, 13.09.2026 Sind Frauen zur Lehre, Leitung und zum Dienst berufen?
Christine Gräbnitz
11 Doch ist im Herrn weder der Mann ohne die Frau, noch die Frau ohne
den Mann. 12Denn gleichwie die Frau vom Mann [kommt], so auch der
Mann durch die Frau; aber alles [kommt] von Gott.
13Urteilt bei euch selbst, ob es schicklich ist, dass eine Frau unbedeckt zu
Gott betet! 14Oder lehrt euch nicht schon die Natur, dass es für einen
Mann eine Unehre ist, langes Haar zu tragen? 15Dagegen ist es für eine
Frau eine Ehre, wenn sie langes Haar trägt; denn das lange Haar ist ihr
anstelle eines Schleiers gegeben. 16Wenn aber jemand rechthaberisch
sein will — wir haben eine solche Gewohnheit nicht, die Gemeinden
Gottes auch nicht.
1. Paulus setzt voraus: Frauen dienen öffentlich
Vers 5: „Jede Frau aber, die betet oder prophetisch redet …“
• Leicht zu überlesen.
• Paulus diskutiert nicht, OB Frauen sprechen.
• Er setzt voraus: Frauen beten und reden prophetisch.
• Sie beteiligen sich sichtbar am geistlichen Leben der Gemeinde.
Frauen dienen.
Neues Testament insgesamt:
• Priscilla – Apg 18,24-26: (Apollos Ephesus)
Und er fing an, öffentlich in der Synagoge aufzutreten. Als nun Aquila und
Priscilla ihn hörten, nahmen sie ihn zu sich und legten ihm den Weg
Gottes noch genauer aus.
• Phoebe – Röm 16,1-2 Ich empfehle euch aber unsere Schwester Phöbe,
die eine Dienerin der Gemeinde in Kenchreä ist, 2damit ihr sie
aufnehmt im Herrn, wie es sich für Heilige geziemt, und ihr in allen
Dingen beisteht, in denen sie euch braucht; denn auch sie ist vielen ein
Beistand gewesen, auch mir selbst.
• Junia – Röm 16,7
Unserer Schwester Phöbe, die im Dienst der Gemeinde von Kenchreä
steht, dürft ihr vertrauen. 2Nehmt sie freundlich auf, wie es für Christen
selbstverständlich ist. Ihr tut es ja für den Herrn. Steht ihr bei, wo immer
sie eure Hilfe braucht. Sie selbst hat sich auch für viele Menschen
eingesetzt, nicht zuletzt für mich.
• Frauen beten, verkündigen, evangelisieren, dienen, tragen
Verantwortung.
2ICB, 13.09.2026 Sind Frauen zur Lehre, Leitung und zum Dienst berufen?
Christine Gräbnitz
Das Grundmodell ist nicht: Männer dienen – Frauen hören zu.
1. Mose 1,27
Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn;
als Mann und Frau schuf er sie.
Galater 3,28
Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Knecht noch Freier, da ist
weder Mann noch Frau; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.
• Gleicher Wert vor Gott – nicht identisch in allem.
• Unterschied ist keine Minderwertigkeit.
Wenn Gott einer Frau eine Gabe gibt, ist das keine Panne.
2. Schwierige Texte nicht verschweigen
1. Korinther 11 – Kopfbedeckung:
• Haupt / Haare / Ehre / Schande / Ordnung.
• Für uns kulturell fremd.
• Nicht jedes Detail lässt sich mit letzter Sicherheit erklären.
• Das ist keine Schwäche des Glaubens – sondern Demut vor dem Text.
• Paulus spricht in eine konkrete Kultur hinein.
• Dahinter bleibt ein geistliches Anliegen: Ehre, Ordnung, Rücksicht, kein
Chaos.
1. Korinther 14,34 „Die Frauen sollen in den Gemeinden schweigen.“
• Schwieriger Vers – ernst nehmen.
• Aber: In Kapitel 11 beten und reden Frauen prophetisch.
• Also kann „schweigen“ nicht bedeuten: Frauen dürfen grundsätzlich nie
sprechen.
• Kapitel 14: Ordnung in der Gemeindeversammlung.
• Auch andere sollen in bestimmten Situationen schweigen.
Prinzip: Freiheit braucht Ordnung – für Männer und Frauen.
1. Timotheus 2 „Ich gestatte aber einer Frau nicht, dass sie lehre …“
• Ebenfalls ein schwieriger Text.
• Unter bibeltreuen Christen unterschiedliche Auslegungen.
• Eine Sicht: bleibende Grenze für bestimmte Lehr-/Leitungsämter.
• Andere Sicht: konkrete Gemeindesituation / falsche Lehre / örtliche
Korrektur.
• Unsere Gemeinde vertritt die zweite Überzeugung.
Frauen können von Gott zu Leitung, Lehre und Predigtdienst berufen werden.
• Nicht weil wir schwierige Texte ignorieren.
• Sondern weil wir sie im Gesamtzeugnis der Schrift verstehen.3ICB, 13.09.2026 Sind Frauen zur Lehre, Leitung und zum Dienst berufen?
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3. Aber: Dienst in der Gemeinde ist anspruchsvoll
Wichtiger Wendepunkt:
• Wenn Frauen dienen dürfen, bedeutet das nicht: „Jetzt haben wir es
geschafft.“
• Predigen ist kein Status.
• Leitung ist keine Belohnung.
• Berufung ist nicht zuerst Sichtbarkeit.
Berufung bedeutet Verantwortung.
1. Korinther 11,3 Christus ist das Haupt.
• Christliche Leitung beginnt bei Jesus.
• Nicht bei Geschlecht, Titel, Persönlichkeit oder Position.
• Jede menschliche Autorität steht unter Christus.
Jesus zeigt Leitung als Dienst:
• Kein Podest – ein Handtuch.
• Füße waschen.
• Dienen. Schützen. Ermutigen. Zuhören.
• Korrigieren, wenn es nötig ist.
• Sich selbst zurücknehmen.
Das klingt schön – bis man wirklich dient.
Denn Dienst bedeutet:
• Vorbereiten, auch wenn niemand die Stunden sieht.
• Verantwortung für Menschen tragen.
• Zuhören, auch wenn man selbst müde ist.
• Schwierige Gespräche führen.
• Konflikte aushalten.
• Kritik annehmen.
• Sich korrigieren lassen.
• Entscheidungen treffen, die nicht jeder gut findet.
• Vertrauliches tragen – und nicht weitererzählen.
• Treu bleiben, auch wenn Anerkennung ausbleibt.
• Das eigene Ego immer wieder zurückstellen.
Besonders beim Predigen:
• Ich rede nicht einfach über irgendein Thema.
• Ich rede über Gott vor Menschen.
• Worte können stärken – aber auch verwirren oder verletzen.
Darum braucht geistlicher Dienst Demut.
Gabe allein reicht nicht:
4ICB, 13.09.2026 Sind Frauen zur Lehre, Leitung und zum Dienst berufen?
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• Geistliche Reife.
• Gesunde Lehre.
• Charakter.
• Integrität.
• Lernbereitschaft.
• Umgang mit Macht, Kritik und Versagen.
Charakter kommt vor Position.
4. Als Frauen in Deutschland: Segen und Verantwortung
Das möchte ich bewusst nicht als selbstverständlich behandeln:
• Wir dürfen die Bibel selbst lesen und studieren.
• Wir haben Zugang zu Bildung und Ausbildung.
• Wir dürfen Berufe wählen und Verantwortung übernehmen.
• Wir dürfen öffentlich sprechen und unsere Meinung äußern.
• Wir dürfen uns als Christen versammeln.
• In unserer Gemeinde dürfen Frauen ihre Gaben prüfen und einsetzen.
Das ist ein Segen.
• Nicht überall auf der Welt.
• Auch geschichtlich nicht selbstverständlich.
• Kein Grund, auf andere herabzusehen.
• Aber ein Grund für Dankbarkeit.
Freiheit ist nicht nur ein Recht:
Freiheit ist auch Verantwortung.
Lukas 12,48 Wem viel anvertraut ist, von dem wird viel erwartet.
• Wir haben Möglichkeiten – also dürfen wir fragen, wie Gott sie
gebrauchen will.
• Nicht: „Endlich darf ich auch nach vorne.“
• Sondern: „Herr, wofür hast du mir diese Freiheit gegeben?“
• Nicht Gabe kleinmachen aus falscher Demut.
• Aber Gabe auch nicht zur Selbstdarstellung benutzen.
Dankbarkeit statt Anspruch.
Mut statt falscher Demut.
Dienst statt Selbstverwirklichung.
Wichtig:
• Nicht jede Frau ist zum Predigen berufen.
• Nicht jede Frau ist zur Leitung berufen.
• Genauso wenig ist jeder Mann dazu berufen.
5ICB, 13.09.2026 Sind Frauen zur Lehre, Leitung und zum Dienst berufen?
Christine Gräbnitz
Aber jeder Christ ist zum Dienst berufen.
5. Welche Gemeinde wollen wir werden?
• Wir sind eine junge Gemeinde.
• Noch vieles im Aufbau.
• Wir prägen jetzt, was später normal sein wird.
Ich wünsche mir eine Gemeinde …
• mit Männern, die Verantwortung übernehmen.
• mit Männern, die Familien dienen, Kinder prägen, junge Menschen
begleiten.
• mit Frauen, die ihre Gaben nicht verstecken.
• mit Frauen, die lehren, evangelisieren, begleiten, organisieren und leiten
– wenn Gott sie dazu berufen hat.
• ohne Konkurrenz zwischen Männern und Frauen.
• in der Leitung nicht Macht bedeutet.
• in der wir einander fördern und korrigieren dürfen.
1. Korinther 11,11-12 Im Herrn weder die Frau ohne den Mann noch der Mann
ohne die Frau.
Wir brauchen einander.
Bei Verantwortung nicht zuerst fragen: Mann oder Frau?
Sondern drei Fragen:
• 1. Ist da eine Gabe?
• 2. Ist da Charakter?
• 3. Ist da Berufung und Bestätigung durch die Gemeinde?
Gabe + Charakter + Berufung + Bestätigung.
Schluss: Nicht „Wer darf?“ – sondern „Wer dient?“
• 1. Korinther 11 bleibt in manchen Details schwierig.
• Aber eines ist klar: Frauen sind bereits am geistlichen Leben beteiligt.
• Paulus fragt, wie Männer und Frauen so dienen, dass Gott geehrt wird.
Wir Frauen hier in Deutschland sind gesegnet, unsere Berufung suchen und
leben zu dürfen.
Aber dieser Segen macht Dienst nicht leicht.
Er macht uns verantwortlich.
Eine Gemeinde …
• in der Frauen ihre Gaben nicht verstecken.
• in der Männer ihre Verantwortung nicht abgeben.
• in der niemand um Anerkennung kämpfen muss.6ICB, 13.09.2026 Sind Frauen zur Lehre, Leitung und zum Dienst berufen?
Christine Gräbnitz
• in der Jesus größer wird.
Denn die Gemeinde gehört nicht den Männern.
Sie gehört auch nicht den Frauen.
Sie gehört Jesus.
„Herr Jesus, gebrauche uns.“
• Den Mann. Die Frau. Den Älteren. Den Jüngeren.
• Die Begabte. Den Unsicheren. Vorne auf der Kanzel oder im Hintergrund.
Gebrauche uns alle für dein Reich.
Es geht nicht darum, wer auf der Kanzel steht.
Es geht darum, wer auf Christus zeigt.