4 Himmelsrichtungen der Leitung: „Meine Kollegen leiten“ Prakt. Konfliktbewältigung – Mario Wahnschaffe

Mario Wahnschaffe

15. Juni 2026
50 Minuten

Praktische Konfliktbewältigung

4 Himmelsrichtungen der Leitung:
„Meine Kollegen leiten“
3.2.1 Mitarbeiter in Gottes Gemeinde aus biblischer Sicht
„Die Evodia ermahne ich, und die Syntyche ermahne ich, die-selbe Gesinnung zu haben im Herrn! Ja ich bitte auch dich, mein rechter Gefährte, stehe ihnen bei, die in dem Evangelium zusammen mit mir gekämpft haben, auch mit Klemens und meinen übrigen Mitarbeitern, deren Namen im Buch des Le-bens sind.“
Philipperbrief 4,2-3
Hier lesen wir etwas über die Wertschätzung Gottes für Mitarbeiter seiner Gemeinde, und wie diese Wertschätzung durch Paulus zum Ausdruck gebracht wurde.

Praktische Konfliktbewältigung
3.2.3.1 Konflikte auf der Sachebene
(1) Bewältigung von Konflikten aufgrund mangelnder Qualität der Arbeit
Zeitpunkt:
Möglichst bald nach dem Vorfall das Gespräch suchen (Mt 5,23 ; Eph 4,26 ).
Dabei ist zu berücksichtigen:
• Ein Gespräch direkt danach – im Affekt – kann von Gefühlen des Ärgers geprägt sein.
• Ein Gespräch, das zu spät geführt wird, ist oft durch verbitterte Gefühle geprägt.
Atmosphäre:
• Mit Dankbarkeit
• Mit Wertschätzung und Freundlichkeit
• Ohne Vorwurf
Art und Weise:
• sachlich
• Persönliches ausklammern
• über einzelne Dinge, Handlungen sprechen
• nie als Haltungen generalisierend
• durch Fakten überzeugen
• gemeinsame Ziele betonen und daran erinnern
Abschluss: In Dankbarkeit und mit der Entscheidung, bereinigte Fehler zu vergessen.

(2) Bewältigung von Konflikten aufgrund fehlender oder unklarer Arbeitsbeschreibungen
Fehlende oder unklare Arbeitsbeschreibungen führen zu unnötigen Missverständnissen.
Beispiel: Wird die Besucherkarte für Erstbesucher am Kassettentisch oder am Infopunkt abgegeben? Dies hat zu vielen unnötigen Konflik-ten und Verärgerungen geführt, auch bei den Besuchern.
Lösung: Alle Beteiligte setzen sich zusammen, verfassen eine neue Arbeitsbeschreibung oder aktualisieren die bisherige.
Biblisches Beispiel: Ein biblisches Beispiel für teamorientierte Kon-fliktlösung ist die Regelung der Aufnahme von Heidenchristen in die Urgemeinde (Apostelgeschichte 15).
„Dann schien es den Aposteln, den Ältesten, samt der ganzen Gemeinde gut …“
Apostelgeschichte 15,22

„Denn es hat dem Heiligen Geist und uns gut geschienen …“
Apostelgeschichte 15,28
(3) Bewältigung von Konflikten aufgrund unbekannter Kompetenzen
Beispiel: Eine immer wiederkehrende Problematik: „Der Pastor hat mir gesagt, du sollst das und das für mich machen.“
Lösung: Freundliche Absage: „Wenn dies so wäre, hätte der Pastor mich auch zuvor in Kenntnis setzen sollen.“ Das bedeutet: Im Zwei-felsfall im Gemeindebüro oder beim Pastor um Klärung bitten.

(4) Bewältigung von Konflikten aufgrund unausgesprochener Erwar-tungen
Beispiel: Oft erwarten Prediger, dass die Kinderdienstmitarbeiter die Überziehung der Gottesdienste auffangen. Dies führte dazu, dass die Kinderdienstmitarbeiter sich nicht wertgeschätzt fühlten.
Lösung: Unausgesprochene Erwartungen ansprechen und in die Ar-beitsbeschreibung einarbeiten oder ggf. streichen.
3.2.3.2 Konflikte auf der Beziehungsebene
Wenn sich Konflikte nicht allein auf der Sachebene lösen lassen, spielen eventuell Beziehungsprobleme mit hinein, die nicht so leicht zu lösen sind. Davon gibt es eine unendliche Zahl von Varianten. Hier seien nur die wichtigsten erwähnt.
(1) Bewältigung von Konflikten aufgrund von Vorurteilen oder mangelndem Vertrauen
Beispiel: Konflikte, die auftreten, weil man den anderen nicht kennt und vorgefasste Meinungen hat. Das führt dann dazu, dass man das Verhalten des anderen falsch interpretiert und gereizt reagiert. Grund ist mangelnde Kommunikation.
Lösung: Den Kollegen einmal nach Hause einladen zum Kaffee oder zum Essen, um ihn kennenzulernen. Allein das Wissen um familiäre Hintergründe oder alltägliche Schwierigkeiten des anderen hilft immens.
(2) Bewältigung persönlichkeitsbedingter Konflikte aufgrund verschiedener DISG-Profile
Siehe dazu auch Punkt 3.2.2 („Ursachen von Konflikten in der Zusam-menarbeit“, S. 28).
Biblisches Beispiel: Der Konflikt zwischen Paulus und Barnabas wegen der Mitarbeit von Johannes Markus (Apg 15,35-41) . Paulus ist eher ein D-Typ und ergebnisorientiert. Für ihn stand die Mission im Vordergrund. Barnabas ist als I-S-Typ menschenorientiert. Für ihn stand die Entwicklung von Markus im Vordergrund.

(3) Bewältigung persönlichkeitsbedingter Konflikte aufgrund unter-schiedlicher Konfliktbewältigungs-Strategien
Die Art und Weise, wie wir Konflikte lösen, ist oft durch unsere Kind-heit geprägt.
Beispiele: Der eine hat gelernt, Konflikte zu lösen, indem er sie um-geht und „runterschluckt“ oder „draufzahlt“. Denn er hat seine (viel-leicht später geschiedenen) Eltern nie Streiten gesehen und hat nicht Streiten gelernt.
Der andere löst Konflikte auf sehr konfrontative und aggressive Art, da er die Eltern immer hat streiten sehen und z.B. seine Mutter verteidigen wollte.
Lösung: Wir merken, dass gerade hier sich Beziehungsebene und Sachebene miteinander vermischen. Da hilft nur eins: Hilfe suchen bei einem erfahrenen Vermittler, der die Missverständnisse klären kann und den Kollegen hilft, bewusster miteinander zu streiten.

(4) Bewältigung persönlichkeitsbedingter Konflikte aufgrund eines geringen Selbstwertgefühls
Problematik: Leiter stehen in der Gefahr, ihren eigenen Selbstwert durch ihre Tätigkeit zu definieren. Manche der Dienste in der Gemeinde stehen im Rampenlicht, andere Dienste geschehen im Hintergrund. Oft entstehen Konflikte, weil Dinge überinterpretiert werden, weil man sich benachteiligt fühlt.
Lösung: Für jeden von uns ist es äußerst wichtig, seinen Selbstwert nicht durch seine Aufgabe zu definieren, sondern in Gottes Sicht über sich.
Gottes Geist belehrt uns über die göttlichen Prinzipien des Leibes Jesu (1.Kor. 12):
• Wertschätzung: Ich brauche Dich, du bist wichtig (V. 21) .
• Auch die schwächer scheinenden Glieder sind notwendig (V. 22) !
• Die uns weniger wichtig scheinenden Glieder umgeben wir mit größerer Ehre (V. 23) .
• Alle Glieder leiden mit, wenn ein Glied leidet, damit keine Spal-tung im Leib sei (V. 26) .
• Wenn ein Glied verherrlicht wird, freuen sich alle Glieder mit (V. 26).
3.2.3.3 Konflikte auf der Visionsebene
Wenn eigene Ziele und Interessen oder selbstsüchtige Verwirkli-chungstendenzen in der Gemeinde überhandnehmen sollten, dann ist es wichtig, dass wir uns wieder gemeinsam auf die Vision der Ge-meinde besinnen.

„Wenn keine Vision da ist, verwildert ein Volk, aber wohl ihm, wenn es das Gesetz beachtet.“
Sprüche 29,18
Es geht um Menschen und darum, wo diese die Ewigkeit verbringen werden.
Diesem Ziel müssen sich unsere Kleinziele unterordnen.
Fazit: Gemeinsam gut bestandene Konflikte stärken unser Vertrauen zueinander. Konflikte, die nicht ausgetragen wurden oder schlecht miteinander gelöst wurden, trennen uns.
Unsere gemeinsame Vision ist:
Alle Nationen und alle Generationen mit dem Evangelium zu erreichen und sie zu hingegebenen Jüngern Jesu zu machen.
3.2.4 Rekrutierung neuer Mitarbeiter
Eine große Herausforderung für unsere Arbeitskreisleiter ist die Rekrutierung neuer Mitarbeiter für ihre Teams. Nach den wertvollen Erfahrungen unserer Kleingruppenleiter und Arbeitskreisleiter hat sich folgende Vorgehensweise bei der Rekrutierung neuer Team-mitarbeiter bewährt:
Bevor du ein Gemeindemitglied ansprichst und es bittest, in deinem Team mitzuarbeiten, solltest du folgende Infos einholen:
• Du solltest den Kleingruppenleiter des jeweiligen Kandidaten fra¬gen, ob er geistlich und persönlich reif genug ist für die Aufgabe, die du dir für ihn vorgestellt hast. Damit hilfst du mit zu ver¬hindern, dass zu junge oder unreife Gläubige überfordert wer¬den.
• Du solltest prüfen, ob der Kandidat schon fester Mitarbeiter in einem anderen Team ist. Falls deine Rekrutierung zu einem Team-wechsel führt, der nicht mit dem anderen Arbeitskreisleiter abge¬sprochen ist, könnte dies zu Verletzungen und Spannungen führen.
Falls ein Teammitglied aus einem anderen Team zu dir in dein Team wechseln möchte, versäume bitte nicht, auch in diesem Fall zuerst mit dem anderen Teamleiter zu sprechen. Vielleicht macht er dich auf mögliche, dir unbekannte Schwierigkeiten aufmerksam, die für deine Rekrutierungsentscheidung wichtig sein könnten.
Fazit: Bevor du neue Mitarbeiter rekrutierst, suche zuerst immer das Gespräch mit dem betreffenden Kleingruppenleiter und dem evtl. vorhergehenden Teamleiter.



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