Krisenfest – Im Verlust

Mario Wahnschaffe

9. November 2014
49 Minuten
Aus der Predigtreihe Krisenfest

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Einleitung:

Verlust ist in der heutigen Konsumgesellschaft kein attraktives Wort.
In einer Gesellschaft, die geprägt ist durch Werbeslogans wie:
Geiz ist geil!
Mein Haus, mein Job, mein Auto, meine Jacht.
Wo Besitz den Wert eines Menschen definiert.

Dementsprechend schwer kann eine Gesellschaft mit Verlust umgehen.

Auch die freikirchlich christliche Welt wurde lange Zeit theologisch einseitig geprägt durch ein Denken, sodass man den Eindruck hatte, nur wenn man reich ist, hat Gott mich gesegnet und oder hat er mich lieb.

Christliche Definition von Reichtum ist nicht, was man besitzt und gehortet hat, sondern was man weiter verschenkt.

Jesus hat es uns vorgemacht und ist unser Beispiel in biblischer Wohlstands- und Reichtumsmentalität:

„Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus, der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein. Aber er machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden.“
Philipperbrief 2:5-7

Jesus, der reichste Mensch des Universums, wird geboren in einem ärmlichen Stall.
Jesus, der mächtigste aller Menschen, macht sich selbst zu einem Diener.
Jesus, der die Kraft hat, Tote aufzuerwecken, stirbt für uns am Kreuz, um uns zu erlösen.

Dies alles tut er aus leidenschaftlicher und brennender Liebe und Hingabe für uns, als wir noch Sünder waren.

1. Wenn es auf Erden kein Happy End gibt?

Wer waren Jesu Nachahmer?
Wir denken an die Christen, die an Gott glaubten, ihm treu nachfolgten und doch um ihres Glaubens willen
gesteinigt,
zersägt,
durchs Schwert starben,
sie gingen in Schafspelzen, Mangel leidend, bedrängt und geplagt.
Sie deren der Welt nicht wert war irrten umher in Wüsten und Gebirgen und Höhlen.
Und sie starben in ihrem Elend. Hebräerbrief 11:36-38

Oder kommen wir zu der Geschichte die Jesus im Lukas-Evangelium16:19-31 von dem armen Lazarus erzählt.
Lazarus war ein armer Mensch, er war sehr krank und voller Geschwüre.
Er hatte nur einen Wunsch, nur ein Begehren: Sich von den Abfällen vom Tisch des Reichen zu sättigen.
Aber der reiche Mann hatte kein Erbarmen mit ihm, nur die Hunde kamen und leckten seine Geschwüre.

Diese Geschichte wird manchmal miss gedeutet in der Weise, dass es falsch ist reich zu sein und dass man, um in den Himmel zu kommen arm und krank sein muss, um Gott zu gefallen.

Diese Geschichte hat aber zwei andere Botschaften:
Unser Fokus sollte nicht auf unserem Glück auf Erden liegen, sondern auf unserem Glück in der Ewigkeit.
Wir leben in einer diesseitigen Welt und auch in einem diesseitigem Christentum.
Beispiel 1: Dinge, die mir in der Kindheit wichtig waren, sind mir im Alter nicht mehr so wichtig.
Beispiel 2: Dinge, die mir in diesem Leben wichtig waren, sind mir im Himmel oder Hölle auf einmal ganz anders wichtig.

Paulus drückt das theologisch aus in 2.Korinther-Brief 4:17 „Denn das schnell vorüber gehende Leichte unserer Bedrängnis bewirkt uns ein über die Massen überreiches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit.

Das hat für Paulus eine praktische Auswirkung auf seinen Alltag gehabt:
2.Korinther-Brief 4:18 „da wir nicht das Sichtbare anschauen, sondern das Unsichtbare, denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare aber ewig.“

Und 2.Korinther-Brief 4:8,9:
– In allem bedrängt / aber nicht erdrückt
– Keinen Ausweg sehend, aber nicht ohne Ausweg
– Verfolgt / aber nicht verlassen
– Niedergeworfen / aber nicht vernichtet

Paulus lebte sein Leben von der Ewigkeit her und dadurch konnte er auch die Unglücke und Schwierigkeiten verarbeiten, die ihm begegneten.

War das Leben von Lazarus unglücklich? Von der Erde aus betrachtet: Ja, definitiv!
Vom Himmel aus betrachtet: Auf keinen Fall!
War das Leben von dem reichen Mann glücklich?
Von der Erde aus betrachtet: Ja, definitiv!
Vom Himmel aus betrachtet: Auf keinen Fall!

2. Den Trost Gottes empfangen

Es gibt ein bewegendes Zitat aus dem Film „Nur mit Dir!“.
Er ist ein verbitterter Atheist, den sein Vater verlassen hat: Er stellt die Frage: Wenn es Gott gäbe, dann gäbe es kein Unglück und keinen Schmerz auf der Welt!
Sie ist Tochter eines Pastors, sehr gläubig, obwohl ihre Mutter bei der Geburt gestorben ist und sie selbst Blutkrebs hat und bald sterben wird: „Wenn es kein Unglück und kein Leid auf der Erde gäbe, gäbe es auch keine Liebe und Barmherzigkeit!“

Wow! Was für eine Einstellung!

Die Geschichte mit Lazarus hat übrigens noch eine zweite Botschaft:
Im Lukas-Evangelium 16:19 lesen wir, dass der reiche Mann in Purpur und feine Leinwand gekleidet war.
Die Kleidung eines Leviten, der den Gottesdienst verrichtete.
Es ist eine Geschichte, in der Jesus den jämmerlichen Zustand der Religion kritisiert.
Der Arme und Kranke stirbt an den Toren eines frommen „Gottesmannes“.
Und die Frommen sind unfähig Trost zu spenden.

Was macht uns fähig zu einer Gemeinde der Liebe zu werden, die den Sterbenden Trost spendet?

Warum konnte der reiche Levit den Lazarus nicht trösten? Er hatte nichts von Gott. Er war arm in seiner Seele!

Jesus lehrt uns ein wichtiges Prinzip von geistlichem Reichtum:
„Glückselig sind die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel.“
Matthäusevangelium 5:3

Geheimnis:
Ich beobachte, dass Christen, die sehr viel von Gott zu geben haben und aus denen ein unglaublicher Reichtum Gottes fließt, Zeiten des Verlustes durchlebt haben:
– Eltern, die ein Kind verloren haben
– Gläubige die Zeiten der unheilbaren Krankheit durchlitten haben
– Menschen, die ihren Ehepartner verloren haben
– Gläubige, die Zeiten des finanziellen Bankrotts hinter sich haben.

Viele Gläubige können sich in Hiob wieder finden:
Er war ein Mann, dem vom Teufel alles genommen wurde.
Er versuchte seinen Zweifel und seine Bitterkeit durch religiöse Phrasen zu verbergen.
Erst als er mit Gott ins Gespräch kam über seine Bitterkeit,
empfing er innerliche und körperliche Heilung
und er wendete das Geschick Hiobs und vermehrte alles, was er hatte auf das Doppelte

– Aber erst nachdem er Fürbitte für seine Freunde getan hatte, die ihm so viel Ungerechtigkeit und schlechten Trost zugefügt hatten.

Auf Verlust kannst Du in zwei möglichen Varianten reagieren:
Du wirst bitter auf Gott und resignierst
Oder Du nimmst den Verlust als Chance etwas von Gott zu empfangen.

Das Unglück und das Leid dieser Welt sollten uns nicht zu der Frage führen: Warum lässt Gott das zu?
Sondern, warum sind wir Christen so arm etwas zu geben von dem göttlichen Trost?

Eine Gemeinde, eine Frau, ein Mann der Liebe wird nicht geformt in schönen gemütlichen Gottesdiensten, sondern in Notzeiten, wo wir Trost brauchen.

3. In Verlust von Gott beschenkt, um zu geben

Verwandele Deine Zeiten des Unglücks und des Schmerzes in Zeiten, wo Du von Gott reich beschenkt wirst mit Trost von Deinem liebenden Vater!

Psalm 94:18,19 „Wenn ich sagte: Mein Fuß wankt!, so unterstützte mich Deine Gnade (Liebe), Herr. Als viele unruhige Gedanken in mir waren, beglückten (liebkosten) deine Tröstungen meine Seele.“

Gemeinde der Liebe hat eine Vision: Die zu trösten, die am Leben und an Gott verzweifeln.

2.Korinther-Brief 1:4,5 „Der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes, der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden. Denn wie die Leiden des Christus überreich auf uns kommen, so ist auch durch den Christus unser Trost überreich.“

Es ist das Geheimnis des Christus: Er wurde arm und machte sich selbst zu nichts, damit wir reich würden.
„ Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass er, da er reich war, um euretwillen arm wurde, damit ihr durch seine Armut reich würdet.“
2.Korintherbrief 8:9

Es ist das Geheimnis, dass Paulus offenbart wurde am tiefsten Punkt seiner Schwachheit:

„Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“
2. Korintherbrief 12:10



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