Ist die Kirche nicht voller Heuchler?

Mario Wahnschaffe

26. August 2012
37 Minuten
Aus der Predigtreihe Acht schwierige Fragen an die Kirche
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Predigt von Mario Wahnschaffe am 26.08.2012

hypocrite

1. Was ist ein Heuchler?

Ein Prediger versuchte einen ungläubigen Freund zur Kirche einzuladen.
Dieser aber lehnte dankend ab, mit der Begründung: „Nein, da gehe ich nicht hin, da sind mir zu viele Heuchler, ich tue viel mehr Gutes als die ganze Kirche zusammen!”

Der Prediger antwortete: „Ach, für einen mehr, haben wir immer noch Platz!“

Was ist eigentlich ein Heuchler? Was ist die Bedeutung dieses Wortes?

  • Eine Person, die sich den Anschein gibt, eine Tugend oder Frömmigkeit zu verkörpern
  • Eine Person, deren Handlungen nicht übereinstimmt mit den Überzeugungen, die sie nach außen hin vertritt.

Das griechische Wort „hypokritaes“ bedeutet zunächst „Schauspieler“ und kommt und kommt aus dem antiken griechischen Theater, wo die Schauspieler zwei Masken trugen:

  • Eine lächelnde
  • und eine traurige.

Es will den Umstand beschreiben, dass ein Mensch, eine Maske trägt und die Rolle jemand  anderes spielt. Luther hat in seinen Übersetzungen die Begriffe Heuchler, bzw. Heuchelei übersetzt mit folgenden Begriffen:

  • Jemand der „glatte Reden“ führt.   Ps.5:10
  • Jemand der lügt oder zum Lügner geworden ist, um Menschen und Gott zu täuschen. Ps.78:36

Nun, wenn man diese Definition bis zum Ende durchdenkt, dann sind alle Menschen vor Gott Lügner und Heuchler. Und das bestätigt uns Gottes Wort.

Röm.5:4   „Vielmehr ist es so: Gott ist wahrhaftig, jeder Mensch aber ein Lügner.“

2. Eine Welt voller Heuchelei

Wenn wir das so sehen, dann sind nicht nur die Kirchen voller Heuchelei, sondern auch die Welt ist davon erfüllt. Denken wir allein was uns in der Politik begegnet, wie fast jede Partei der Heuchelei bezichtigt wird:

  • Die CDU wegen ihrem christlichen C
  • Die SPD wegen ihrer unsozialen Agenda 20 10
  • Die Grünen, die als pazifistische Partei in der grün-roten Koalition den ersten Militäreinsatz der BRD mit beschlossen hat.

Und natürlich macht auch der Vorwurf der Heuchelei vor den christlichen Konfessionen nicht Halt. Denken wir an die Erschütterung der letzten Jahre, als der Kindesmißbrauch in den katholischen Einrichtungen ans Licht kam. Und was für eine wichtige und erschütternde Erkenntnis, dass dieses unmenschliche Verbrechen nicht nur in der katholischen Kirche sondern in verschiedensten Konfessionen und eben auch weltlichen Einrichtungen zu finden war.

Schauspielerei ist wohl etwas, das unsere ganze Gesellschaft begleitet und sogar eingefordert wird. Denken wir an das Schauspiel, dass sich uns in der Presse von Prinz Harry präsentiert: Wer ist Schuld, dass das Doppelleben des Prinzen öffentlich gemacht wurde:

Die Presse

oder neuerdings die Personenschützer, die die Handys der abgeschleppten Damen nicht abgenommen haben?

Wir mögen darüber verächtlich lachen und Prinz Harry verachten, aber wie sieht es in unserem persönlichen und beruflichen Leben aus? Zwingt uns nicht auch die Gesellschaft uns so vorteilhaft und positiv darzustellen und unser Image aufzupolieren.

Ein Atheist in Gotha erzählte mir: In der DDR bekam er zwar nicht viel Lohn und das meiste war negativer als heute, aber er durfte wenigstens seine Meinung im Betrieb sagen, nach der Wende hatte er nur noch einmal Kritik geäußert dann nicht mehr, da er Angst hatte, den Arbeitsplatz zu verlieren.

Die Gesellschaft bringt uns bei: Als Heuchler lebt man besser, als wenn man echt ist.

Beispiel: 1.Kön.22 berichtet davon, wie alle Propheten des gottlosen und brutalen Königs Ahab, aus Angst ihm Lüge prophezeiten und der einzige, der ihm die Wahrheit, Micha,  sagte, den ließ er ins Gefängnis werfen.

Was für eine exemplarische Geschichte für den Charakter unserer Gesellschaft. Aber Natürlich sind auch die Christen Teil dieser Gesellschaft.

Beispiel: Gal.2:13  Petrus, der mit der Heuchelei der jüdischen Christen mitgerissen wurde.

Alle leben irgendwie nicht 100% kongruent mit den Werten, die sie eigentlich vertreten, aber wehe dem, dessen Heuchelei ans Licht kommt, der wird mit Füßen getreten.

3. Wie geht Jesus mit Heuchlern um?

Jesus erzählt das Gleichnis vom Weizen und Unkraut.   Mat.13:24-30

Unkraut und junger unreifer Weizen stehen nah beieinander und sind kaum zu unterscheiden. Heuchler unterscheiden sich von krassen Sündern, die durch ihr Verhalten anderen Menschen schaden. Diese sind nicht gemeint, denn diese sollen wir nach Jesu Gebot ermahnen, gewinnen und letztendlich Grenzen ziehen.   Mat.18:15-17

Hier sind Heuchler gemeint: Äußerlich unterscheiden, sie sich nicht in Ihrem Tun von den echten Christen. Die Knechte wollen das Unkraut rausziehen – die Heuchler, die Unechten in der Kirche rauswerfen. Doch der Herr antwortet:

  • Lasst sie zusammen wachsen bis die Ernte reif ist und dann kann man beide Arten gut unterscheiden und trennen.
  • Wenn ihr jetzt schon das Unkraut rauszieht, zieht man den Weizen mit heraus.

Gute und anscheinend gute Menschen leben Seite an Seite, sowohl in der Welt, als auch in der Gemeinde.

Wir sollen Menschen nicht verurteilen

Manche Christen fühlen sich dazu berufen göttliche Polizist zu spielen und dauernd hervorzuheben und zu betonen, warum sie besser sind als Weltmenschen oder warum ihre Gemeinde besser ist als andere Gemeinden.

Jesus entmutigt uns, göttliche Polizei zu spielen und darüber zu urteilen, ob einer ein echter oder ein Scheinchrist ist.

Warum?

Weil Gott einen Unterschied macht

Es gibt Christen, die Krisenzeiten durchmachen, Schwere Krankheiten oder Depressionen und deren Leben nicht so glänzend ist, wie das anderer Christen. Jesus verwandte das Wort „Heuchler“ nicht auf Sünder, schwache oder fehlerhafte Menschen, sondern auf Pharisäer, die in ihren eigenen Augen gerecht und Gott nicht brauchen. Sein Urteil über sie fällt scharf aus:

Mat.6:2,5,16

Mat.15:7,8 Ihr Lippen ehren mich, aber ihr Herz ist fern von mir.

Im Unterschied dazu gibt es Gläubige, die mit ihren Schwachheiten kämpfen und sich schämen und täglich zu Gott kommen und ihn bitten, ihnen zu helfen, ihre Fehler zu überwinden. Gottes Wort sagt, dass dass da größere Freude ist über einen Sünder, der es nötig hat umzukehren, als über 99 Gerechte, die die Umkehr nicht nötig haben. Luk.15:7

Wir sollen auch nicht darüber urteilen, weil wir die Motive nicht kennen. Viele Menschen fühlen sich dazu gezwungen hinter falschen Masken zu leben, weil ihre Eltern oder Ehepartner es von ihnen erwarten, jemand anderes zu sein. Weil sie durch durch traumatische Erlebnisse wie Krieg, Vergewaltigung oder Missbrauch in eine andere Person fliehen, weil sie den Schmerz sie selbst zu sein nicht aushalten. Weil sie so minderwertig sind und denken, dass jeder sie ablehnen würde, wenn sie wüssten, wer sie wirklich sind, so spielen sie eine andere Rolle.

4. Durch Annahme und Liebe dürfen wir wir selbst und echt sein

Jesus ermöglicht es uns in einer Atmosphäre der Liebe und Annahme, aus der Zone der Scham und Schauspielerei herauszutreten und so zu werden, wie er uns geschaffen hat. Voraussetzung ist absolute Annahme:

Röm.5:8   Christus ist für uns gestorben, als wir noch Sünder waren
Röm.8:32 Er hat seinen Sohn nicht verschont, wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?

Warum sollten wir echt und kongruent werden? Weil Gott dein Leben als Ermutigung, Vorbild und Orientierung benutzen möchte.

Mat.13:43   Die Gerechten werden leuchten wie die Sonne.
Edgar Guest: „Ich möchte lieber eine Predigt sehen, als eine hören.“ und: „Das Auge ist ein besserer Schüler und Gedächtnis, als das Ohr.“

Lehren durch das Leben und Vorleben. Komm hinein, in die Identität, die Gott für Dich in Christus hat.

Mario Wahnschaffe



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