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Krisenfest – in Zweifeln

  1. Zweifel hat Hochkonjunkturkrisenfest

Diese Predigt können Sie als MP3 hier anhören. Das Video auf YouTube können Sie hier sehen.

Wir leben in einer Gesellschaft, wo der Zweifel hoch geachtet ist, und auf den Lehrstuhl unseres Denkens gesetzt ist.

Wir erleben eine Renaissance des Atheismus:

Richard Dawkins mit seinem Buch:

Der Gotteswahn (engl. The GodDelusion) ist der Titel einer 2006 erstmals bei Houghton Mifflin im englischen Original erschienenen Monografie Richard Dawkins’, in der er sich gegen theistische  Religionen und insbesondere gegen die drei abrahamitischen Weltreligionen wendet. Dawkins zentrale Thesen sind, dass jeder Glaube an Gott in all seinen Formen irrational sei und dass Religion in der Regel schwerwiegende negative Auswirkungen auf die Gesellschaft habe.Das Buch war weltweit ein großer Verkaufserfolg und gilt seither als einer der Haupttexte des „Neuen Atheismus“.

Besonders in Deutschland ist der Zweifel höher angesehen als der Glaube.

Das lässt sich schon in der Sprache erkennen. Man spricht immer vom: Blinden Glauben oder gesunden Zweifel

Niemand spricht von einem: Blinden Zweifel oder gesunden Glauben.

Und dennoch leben wir in einem Leben voller Widersprüche: Während wir in den Schulen und Unis auf Zweifel in Hochtouren trainiert worden sind, werden von uns im Alltag höchste Glaubenshandlungen abverlangt:

  • Oder wen würde Jogi Löw auswählen für das entscheidende Elfmeterschießen?

Spieler, die an sich selbst zweifeln oder Schützen, die voller Glauben sind, dass sie das entscheidende Tor erzielen?

Glaubensvolle Überzeugungen werden uns überall auf dem Arbeitsplatz abverlangt:

  • Oder wen wird ein Unternehmer einstellen? Einen, der an sich selbst und seiner Ausbildung zweifelt oder jemanden, der völlig glaubensvoll von sich überzeugt ist und Selbstvertrauen ausstrahlt?

Wir leben in einer zweigeteilten Zeit, die einerseits alles in Frage stellt, Gott und alle Werte, des christlichen Glaubens und andererseits erwarten wir von Politikern, Beamten und Polizisten ein Höchstmaß an Tugend, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit, die allem Zweifel erhaben ist.

Oder was würden wir mit Richtern oder Polizisten tun, die anfangen würden das Grundgesetz offen in Zweifel zu ziehen?

  1. Zweifel ist Teil unseres Lebens 

Zweifel ist eine Messanzeige in Deinem Herzen, wie nah Du mit einer Sache vertraut bist oder davon entfernt bist.

Zweifeln ist oft gerade in unseren, besonders christlich, charismatischen Kreisen verpönt.
Dennoch haben bedeutende Männer Gottes und Leiter an einem bestimmten Punkt in ihrem Leben gezweifelt.

Johannes der Täufer kam an einen Tiefpunkt in seinem Leben, als er im Gefängnis saß und zweifelte daran, ob Jesus der wahre Christus war und ließ ihn durch seine Botschafter fragen, ob sie auf einen anderen warten sollten.   Matthäusevangelium 11:2-6

Petrus geht auf dem Wasser! Er wagt das menschlich Unmögliche! Als er auf den Wind schaut, fürchtet er sich und fängt an zu sinken.  Während Jesus seine Hand ergreift fragt er ihn: “Kleingläubiger, warum zweifelst Du?”  Matthäusevangelium 14:27-31

Thomas, der zuvor noch mit Jesus sterben wollte, Joh.11:16, war so enttäuscht von Jesu Tod und dem scheinbaren Scheitern ihrer Mission, dass er sich bewußt entschied nicht an die Auferstehungsberichte der anderen Jünger zu glauben.  Joh.20:25

Zweifler befinden sich also in bester Gesellschaft mit den berühmtesten Männern Gottes.
Zweifel passierte auch ihnen und hat ihrem Glauben und ihrem Wandel als Nachfolger Jesu in keinster Weise geschadet:

– Johannes der Täufer fand den Mut und die Kraft für seine Überzeugung zu sterben.
– Petrus war später einer der wichtigsten Architekten der ersten Gemeinde und tat seinen Dienst mit großen Zeichen und Heilungen.
– Thomas ging mit dem Evangelium bis nach Indien, wo die heutigen “Thomasianer” heute noch Zeugnis für seinen Glauben! ablegen.

Zweifel ist eine natürliche Reaktion unseres menschlichen Verstandes wenn wir in Grenzsituationen geraten, wo wir durch eigene Kraft nicht weitergelangen.

Wenn wir Zweifel nicht religös verdrängen oder verbrämen, sondern damit offen und beziehungsnah zu Gott kommen, erleben wir dieses einmalige Erlebnis, das mein Schwiegervater so nannte:
“Wir werden geglaubt!” 🙂

Der göttliche Glaube kommt nicht aus uns selbst.  Er wird von Gott empfangen, indem wir seine Liebe, seinen Schutz, seine Gedanken über uns in Extrem- und Grenzsituationen in unserem Leben empfangen.

Der Feind will uns einreden, dass wir für Gott nicht gut genug sind, wenn wir zweifeln. Nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt. Der Zweifel zeigt uns, dass wir in einer geistlich wichtigen Entwicklungsphase in unserem Leben angelangt sind und wir den Sprung in die neue Ebene unseres Glaubensleben nur durch die Zuwendung und Vaterliebe Gottes schaffen, welcher möchte, dass wir wissen, dass er an uns glaubt und hinter uns steht.

Denn der Glaube ist allein durch die Liebe wirksam.   Galaterbrief 5:6

  1. Wenn Zweifel verdrängt wird

 Die größten Zweifel über Gott kommen bei persönlichen Leiden und unerwarteten Schicksalsschlägen, die man nicht einordnen kann.

  • Wo war Gott in Auschwitz?
  • Warum hat Gott den zweiten Weltkrieg zugelassen?
  • Warum hat er mich nicht beschützt, als ich als Kind vergewaltigt wurde?
  • Warum wurde der Enkel unseres Pastors Schlitter mit 10 Jahren entführt? Warum hat Gott ihn nicht bewahrt?

Das sind die beißendsten und quälendsten Fragen des Lebens. Ein Buch, das sich exclusiv mit dieser schmerzlichen Frage befasst ist das Buch Hiob. Hier ist Hiob ein äußerst gläubiger und frommer Mann:

Er war rechtschaffen und redlich und gottesfürchtig und mied das Böse.  Hiob 1:1

Er war darauf bedacht, dass er und seine Familie immer im Reinen waren mit Gott. Hiob 1:5

Dann kam der Tag des Unglücks:

Er verlor all seinen Reichtum, seinen Besitz, sogar alle seine Kinder. Nicht allein das, er wurde vom Satan auch mit einer furchtbaren Krankheit und schlimmen Geschwüren geschlagen. Seine Frau verhöhnte darauf hin seinen Glauben und sprach: “Fluche Gott und stirb!” Hiob scheint auf den ersten Blick alles tadellos zu beherrschen und sein unsägliches Leid tapfer und klaglos zu tragen. Er tut dies durch eine erstaunlichen Glauben, den er in sich trägt.

Dieser Glaube wird offenbar in

Hiob 1:21   „Der Herr hat gegeben, und der Herr hat genommen, der Name des Herrn sei gepriesen!“

Und noch deutlicher in:

Hiob 2:10   „Das Gute nehmen wir von Gott an, da sollten wir das Böse nicht auch nehmen?“

Diese Leidenstheologie wird von vielen Menschen und sogar von Kirchen vertreten, dass Gott eine Doppelnatur in sich trägt:

Gott gibt zwar um zu segnen und Gutes zu geben, aber er nimmt es auch wieder weg und gibt uns dafür das Böse und wir müssen es still tragen. Erstaunlicherweise wird dies von vielen Menschen geglaubt, dass Gott zwei Gesichter hätte, obwohl das Wort Gottes dies nirgendwo bestätigt, im Gegenteil:

Jakobus 1:13-16  “Gott versucht niemanden zum Bösen.”

Und:  “Jede gute Gabe kommt von Gott, bei dem es keine Veränderung gibt.”

Matthäusevangelium 7:11   “Wenn nun ihr, die Ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben, denen, die ihn bitten!“

Außerdem steht in Hiob, dass nicht Gott, sondern der Teufel ihn schlug. Doch was äußerlich so edel und voll festem Glaubens erscheint, ist innerlich erfüllt mit:

Großer Angst vor einem grausamen Gott, Hiob 3:25

Ein ungerechter und willkürlicher Gott, der ohne Grund ihn angegriffen hat, Hiob 10:6,7; 27:2

Ein Gott, der in die Irre führt, Hiob 19:6

Ein Gott, der in einem gerechten Gericht schuldig gesprochen würde.  Hiob 23:7

Doch dann hat er eine persönliche Gottes Begegnung.

Und er spricht: in Hiob 42:5   „Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, jetzt aber hat mein Auge Dich gesehen.“

Zweifel ist das Anzeichen von fehlender Beziehung. Liebe und Glaube, kann nur durch eine Begegnung der Liebe mit dem lebendigen Gott entstehen. Gott erwählt sich oft die größten Zweifler, um durch eine Begegnung aus ihnen Frauen und Männer des Glaubens und der Wunder zu machen.

Mario Wahnschaffe, Bonn im November 2014

 

Ein Gedanke zu „Krisenfest – in Zweifeln

  1. Danke Mario. Es hat mich sehr ermutigt. Denn ich stecke noch in einer Krise. Aber jetzt habe ich wieder Hoffnung um dran zu bleiben. Lg. Biggy

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