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Krisenfest – Im Verlust

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Krisenfest – Im Verlust
von Mario Wahnschaffe

Predigt als Audio hören: http://clwbonn.de/fileadmin/Redakteure/predigten/Predigten_2014/09-11-2014_49min_Mario_Wahnschaffe_Krisenfest_-_Im_Versust.mp3

Predigt als Video sehen: https://www.youtube.com/watch?v=BYzKI38xa6E

Einleitung:

Verlust ist in der heutigen Konsumgesellschaft kein attraktives Wort.
In einer Gesellschaft, die geprägt ist durch Werbeslogans wie:
Geiz ist geil!
Mein Haus, mein Job, mein Auto, meine Jacht.
Wo Besitz den Wert eines Menschen definiert.

Dementsprechend schwer kann eine Gesellschaft mit Verlust umgehen.

Auch die freikirchlich christliche Welt wurde lange Zeit theologisch einseitig geprägt durch ein Denken, sodass man den Eindruck hatte, nur wenn man reich ist, hat Gott mich gesegnet und oder hat er mich lieb.

Christliche Definition von Reichtum ist nicht, was man besitzt und gehortet hat, sondern was man weiter verschenkt.

Jesus hat es uns vorgemacht und ist unser Beispiel in biblischer Wohlstands- und Reichtumsmentalität:

„Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus, der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein. Aber er machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden.“
Philipperbrief 2:5-7

Jesus, der reichste Mensch des Universums, wird geboren in einem ärmlichen Stall.
Jesus, der mächtigste aller Menschen, macht sich selbst zu einem Diener.
Jesus, der die Kraft hat, Tote aufzuerwecken, stirbt für uns am Kreuz, um uns zu erlösen.

Dies alles tut er aus leidenschaftlicher und brennender Liebe und Hingabe für uns, als wir noch Sünder waren.

1. Wenn es auf Erden kein Happy End gibt?

Wer waren Jesu Nachahmer?
Wir denken an die Christen, die an Gott glaubten, ihm treu nachfolgten und doch um ihres Glaubens willen
gesteinigt,
zersägt,
durchs Schwert starben,
sie gingen in Schafspelzen, Mangel leidend, bedrängt und geplagt.
Sie deren der Welt nicht wert war irrten umher in Wüsten und Gebirgen und Höhlen.
Und sie starben in ihrem Elend. Hebräerbrief 11:36-38

Oder kommen wir zu der Geschichte die Jesus im Lukas-Evangelium16:19-31 von dem armen Lazarus erzählt.
Lazarus war ein armer Mensch, er war sehr krank und voller Geschwüre.
Er hatte nur einen Wunsch, nur ein Begehren: Sich von den Abfällen vom Tisch des Reichen zu sättigen.
Aber der reiche Mann hatte kein Erbarmen mit ihm, nur die Hunde kamen und leckten seine Geschwüre.

Diese Geschichte wird manchmal miss gedeutet in der Weise, dass es falsch ist reich zu sein und dass man, um in den Himmel zu kommen arm und krank sein muss, um Gott zu gefallen.

Diese Geschichte hat aber zwei andere Botschaften:
Unser Fokus sollte nicht auf unserem Glück auf Erden liegen, sondern auf unserem Glück in der Ewigkeit.
Wir leben in einer diesseitigen Welt und auch in einem diesseitigem Christentum.
Beispiel 1: Dinge, die mir in der Kindheit wichtig waren, sind mir im Alter nicht mehr so wichtig.
Beispiel 2: Dinge, die mir in diesem Leben wichtig waren, sind mir im Himmel oder Hölle auf einmal ganz anders wichtig.

Paulus drückt das theologisch aus in 2.Korinther-Brief 4:17 „Denn das schnell vorüber gehende Leichte unserer Bedrängnis bewirkt uns ein über die Massen überreiches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit.

Das hat für Paulus eine praktische Auswirkung auf seinen Alltag gehabt:
2.Korinther-Brief 4:18 „da wir nicht das Sichtbare anschauen, sondern das Unsichtbare, denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare aber ewig.“

Und 2.Korinther-Brief 4:8,9:
– In allem bedrängt / aber nicht erdrückt
– Keinen Ausweg sehend, aber nicht ohne Ausweg
– Verfolgt / aber nicht verlassen
– Niedergeworfen / aber nicht vernichtet

Paulus lebte sein Leben von der Ewigkeit her und dadurch konnte er auch die Unglücke und Schwierigkeiten verarbeiten, die ihm begegneten.

War das Leben von Lazarus unglücklich? Von der Erde aus betrachtet: Ja, definitiv!
Vom Himmel aus betrachtet: Auf keinen Fall!
War das Leben von dem reichen Mann glücklich?
Von der Erde aus betrachtet: Ja, definitiv!
Vom Himmel aus betrachtet: Auf keinen Fall!

2. Den Trost Gottes empfangen

Es gibt ein bewegendes Zitat aus dem Film „Nur mit Dir!“.
Er ist ein verbitterter Atheist, den sein Vater verlassen hat: Er stellt die Frage: Wenn es Gott gäbe, dann gäbe es kein Unglück und keinen Schmerz auf der Welt!
Sie ist Tochter eines Pastors, sehr gläubig, obwohl ihre Mutter bei der Geburt gestorben ist und sie selbst Blutkrebs hat und bald sterben wird: „Wenn es kein Unglück und kein Leid auf der Erde gäbe, gäbe es auch keine Liebe und Barmherzigkeit!“

Wow! Was für eine Einstellung!

Die Geschichte mit Lazarus hat übrigens noch eine zweite Botschaft:
Im Lukas-Evangelium 16:19 lesen wir, dass der reiche Mann in Purpur und feine Leinwand gekleidet war.
Die Kleidung eines Leviten, der den Gottesdienst verrichtete.
Es ist eine Geschichte, in der Jesus den jämmerlichen Zustand der Religion kritisiert.
Der Arme und Kranke stirbt an den Toren eines frommen „Gottesmannes“.
Und die Frommen sind unfähig Trost zu spenden.

Was macht uns fähig zu einer Gemeinde der Liebe zu werden, die den Sterbenden Trost spendet?

Warum konnte der reiche Levit den Lazarus nicht trösten? Er hatte nichts von Gott. Er war arm in seiner Seele!

Jesus lehrt uns ein wichtiges Prinzip von geistlichem Reichtum:
„Glückselig sind die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel.“
Matthäusevangelium 5:3

Geheimnis:
Ich beobachte, dass Christen, die sehr viel von Gott zu geben haben und aus denen ein unglaublicher Reichtum Gottes fließt, Zeiten des Verlustes durchlebt haben:
– Eltern, die ein Kind verloren haben
– Gläubige die Zeiten der unheilbaren Krankheit durchlitten haben
– Menschen, die ihren Ehepartner verloren haben
– Gläubige, die Zeiten des finanziellen Bankrotts hinter sich haben.

Viele Gläubige können sich in Hiob wieder finden:
Er war ein Mann, dem vom Teufel alles genommen wurde.
Er versuchte seinen Zweifel und seine Bitterkeit durch religiöse Phrasen zu verbergen.
Erst als er mit Gott ins Gespräch kam über seine Bitterkeit,
empfing er innerliche und körperliche Heilung
und er wendete das Geschick Hiobs und vermehrte alles, was er hatte auf das Doppelte

– Aber erst nachdem er Fürbitte für seine Freunde getan hatte, die ihm so viel Ungerechtigkeit und schlechten Trost zugefügt hatten.

Auf Verlust kannst Du in zwei möglichen Varianten reagieren:
Du wirst bitter auf Gott und resignierst
Oder Du nimmst den Verlust als Chance etwas von Gott zu empfangen.

Das Unglück und das Leid dieser Welt sollten uns nicht zu der Frage führen: Warum lässt Gott das zu?
Sondern, warum sind wir Christen so arm etwas zu geben von dem göttlichen Trost?

Eine Gemeinde, eine Frau, ein Mann der Liebe wird nicht geformt in schönen gemütlichen Gottesdiensten, sondern in Notzeiten, wo wir Trost brauchen.

3. In Verlust von Gott beschenkt, um zu geben

Verwandele Deine Zeiten des Unglücks und des Schmerzes in Zeiten, wo Du von Gott reich beschenkt wirst mit Trost von Deinem liebenden Vater!

Psalm 94:18,19 „Wenn ich sagte: Mein Fuß wankt!, so unterstützte mich Deine Gnade (Liebe), Herr. Als viele unruhige Gedanken in mir waren, beglückten (liebkosten) deine Tröstungen meine Seele.“

Gemeinde der Liebe hat eine Vision: Die zu trösten, die am Leben und an Gott verzweifeln.

2.Korinther-Brief 1:4,5 „Der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes, der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden. Denn wie die Leiden des Christus überreich auf uns kommen, so ist auch durch den Christus unser Trost überreich.“

Es ist das Geheimnis des Christus: Er wurde arm und machte sich selbst zu nichts, damit wir reich würden.
„ Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass er, da er reich war, um euretwillen arm wurde, damit ihr durch seine Armut reich würdet.“
2.Korintherbrief 8:9

Es ist das Geheimnis, dass Paulus offenbart wurde am tiefsten Punkt seiner Schwachheit:

„Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“
2. Korintherbrief 12:10

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Prof. Dr. Siegfried Zimmer und die “Schwule Frage”

Eine Stellungnahme zu Prof. Dr. Siegfried Zimmers

Vortrag zur Homosexualität:

‪Die schwule Frage – Die Bibel, die Christen und das Homosexuelle | 5.1.1

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=VLf-umCdAkg

Siegfried Zimmer

von Mario Wahnschaffe

Einleitung:
Zunächst möchte ich mich bei Prof. Dr. Siegfried Zimmer bedanken, für seinen emphatischen und sehr engagierten Apell an die Kirchen und Freikirchen, Schuld einzugestehen für Jahrhunderte von furchtbarer Gewalt und psychischer Diskriminierung von Schwulen und Lesben, nicht nur in unseren Kirchengemeinden, sondern auch in unserer Gesellschaft. Für uns als Christen ist es dringend an der Zeit, Schwulen und Lesben ohne Vorurteile, sondern mit der selben Liebe und Barmherzigkeit zu begegnen, so wie Jesus es uns vorgelebt hat. Gemeinde muss ein Ort der Liebe und Annahme für alle Menschen werden, wo sie gerade durch das Verhalten der Gläubigen Gottes Liebe verstehen können. Für Christen ist dieses Video ein reicher Fundus an geschichtlichen Details unserer kirchlichen und freikirchlichen Vergangenheit in Bezug auf unsere Ablehnung von Schwulen und Lesben. Es ist eine Gelegenheit für uns, uns zu schämen für unsere Vergangenheit und eine Chance, unser Verhalten gegenüber Schwulen und Lesben zu korrigieren und ihnen ohne Vorurteile und mit Liebe zu begegnen.

Prof. Dr. Siegfried Zimmer geht aber noch einen Schritt weiter. Eine Sache ist es, zu sagen, wir als Christen akzeptieren Schwule und Lesben. Eine Gemeinde kann sich auch dazu entschließen, in der heutigen Zeit Homo-Ehen zu segnen, Schwulen und Lesben als Mitglieder in die Gemeinde aufzunehmen oder in der Mitarbeit oder als Pastoren oder Pastorinnen mitarbeiten zu lassen. Dies obliegt der jeweiligen individuellen Überzeugung einer Kirchengemeinde oder –organisation.
Ein weiterer Schritt aber ist es, darlegen zu wollen, dass die Bibel homosexuelle Beziehungen nicht verbieten, sondern legitimieren würde. Dies ist letztendlich das Plädoyer von Prof. Dr. Siegfried Zimmer, erklären zu wollen, dass alle 5 Bibelstellen, die angeblich gegen Homosexualität gerichtet sind, überhaupt nichts mit gleichberechtigten, liebevollen und monogamen homosexuellen Beziehungsmodellen unserer modernen Zeit zu tun hätten. Somit könnte man sie nicht zitieren oder verwenden gegen modern gelebte Homo-Beziehungen, da es dieses Konzept in der Antike angeblich nicht gegeben hätte.

1. Kein heutiges Konzept der Homosexualität in der Antike?

Prof Zimmer führt aus, dass die biblischen Verbote gegen „Homosexualität“ in der Bibel:

3.Mos.18:22 „Und bei einem Mann sollst du nicht liegen, wie man bei einer Frau liegt; ein Greuel ist es.“

3.Mos.20:13 „Und wenn ein Mann bei einem Mann liegt, wie man bei einer Frau liegt, dann haben beide einen Greuel verübt. Sie müssen getötet werden, ihr Blut ist auf ihnen.“

Röm.2:26,27 “Deswegen hat Gott sie dahingegeben in schändliche Leidenschaften. Denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr in den unnatürlichen verwandelt, und ebenso haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen, sind in ihrer Begierde zueinander entbrannt, indem die Männer mit Männern Schande trieben, und empfingen den gebührenden Lohn ihrer Verirrung an sich selbst.”

1.Kor.6:9,10 „Oder wisst ihr nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Lustknaben (Weichlinge: Gemeint sind Männer, die sich sexuell missbrauchen lassen), noch Knabenschänder, noch Diebe…

1.Tim.1:10 “Das Gesetz ist bestimmt für Gesetzlose, und Widerspenstige, für Gottlose und Sünder… Unzüchtige, Knabenschänder…“

nichts mit dem homosexuellen Konzept der heutigen Zeit zu tun hat, da die Bibel dieses in der antiken Kultur nicht gekannt hätte.
Welches Konzept meint Prof. Zimmer?:
– gleichaltrige schwule Männer
– die nur schwul sind und nicht bisexuell oder parallel hetero verheiratet.

Die antike Kultur hingegen kannte angeblich nach Zimmer keine:
– Homosexualität zwischen Gleichaltrigen sondern nur das Konzept der Knabenliebe zwischen einem älteren Mann und einem Knaben.
– Homosexualität unter rein Homosexuellen, sondern nur unter Bi-Sexuellen.

In [46:14] behauptet Prof. Zimmer, dass die Antike, gleichberechtigte, liebevolle, von beiden Seiten bejahte homosexuelle Beziehungen nicht kannte.

Somit lassen sich die Verse der Bibel, die gegen Homosexualität sprechen, nur auf gewalttätige und päderastische (Sex mit minderjährigen Knaben) beziehen und nicht auf heutige freiwillige homosexuelle Beziehungen.

Wo sind die Quellen für diese Postulate?

Dagegen lässt sich Folgendes lesen über gleichaltrige, homosexuelle Beziehungen in der Antike:

„Hingegen waren gleichgeschlechtliche Beziehungen zwischen erwachsenen und mit dem [athenischen] Bürgerrecht ausgestatteten Männern während der klassischen Epoche Griechenlands gesellschaftlich verpönt und galten für die betreffenden Männer als ‚unehrenhaft‘“; sie scheinen jedoch nicht strafrechtlich verfolgt worden zu sein.“
Quelle: Andreas Mohr: Eheleute, Männerbünde, Kulttransvestiten, S. 89.

Sich sexuell passiv verhaltende, freie, erwachsene und mit dem athenischen Bürgerrecht versehene Männer wurden – analog zur Situation in anderen griechischen Städten – als kinaidoi bezeichnet, was in ethisch negativ wertender Form die sexuelle Passivität Freigeborener bezeichnet, und zwar im Sinne der Adjektive „weibisch“, „schandhaft“ und/oder „schamlos“. Elke Hartmann führt hierzu aus: „Wer Männer begehrte, die dem Alter eines eromenos entwachsen waren, wurde als weibisch verspottet.“
Quelle: Thomas K. Hubbard: Homosexuality in Greece and Rome. A Sourcebook on basic Documents in Translation. Los Angeles 2003, S. 6–7.
Quelle: John J. Winkler: The Constraints of Desire: The Anthropology of Sex and Gender in Ancient Greece. New York 1990.
Quelle: Elke Hartmann: Art. Homosexualität, in: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, Bd. 5. Stuttgart/Weimar 1998, Sp. 704.

In Theben wurde um 378 v. Chr. die Heilige Schar formiert. Es handelte sich um eine militärische Elitetruppe, die ausschließlich aus männlichen Liebespaaren bestand.
Quelle: Kenneth Dover: Homosexualität in der griechischen Antike, S. 192.

In der Ilias spielen Achilles und Patroklos eine besondere Rolle. Obwohl in dem Werk nicht explizit ausgesprochen wird, dass die Beziehung beider sexueller Natur war, bestand zwischen beiden doch eine tiefe emotionale Beziehung. Platon war der erste, der sie als Liebespaar ansprach. In der homerischen Dichtung werden sie als gleichberechtigt dargestellt.

Viele gleichgeschlechtliche Paare sind aus der Zeit des antiken Griechenlands überliefert. Unter ihnen befinden sich Euripides und Agathon sowie Alexander der Große und Hephaistion.
Agathon wird wegen seiner Homosexualität verspottet von den Frauen. Quelle: Nachbarschaft und Dorfgemeinschaft im archaischen und klassischen Griechenland, Winfried Schmitz, S.342
Hephaistion war ein makedonischer Adeliger, der engste Freund, General, Leibwächter und möglicherweise auch der Geliebte Alexanders des Großen. Aufgrund seiner besonderen Loyalität zu Alexander und dessen politischem Programm der Aussöhnung und Verschmelzung der verschiedenen Völker seines Reiches konnte er zum zweiten Mann des Reiches aufsteigen.

Juvenal verurteilt zahlreiche Formen männlicher Homosexualität und klagt vor allem römische Männer hoher Geburt an, die sich nach außen hin moralisch geben, im heimlichen aber weibliches Verhalten zu Tage legen. Er findet Männer, die weibliches Verhalten offen zur Schau tragen, zwar bemitleidenswert, aber ehrlicher und preist zum Schluss als wirklich wahre Liebe die eines Mannes zu einem Knaben. Öffentliche Reden verurteilen in der Regel alle Formen von Homosexualität unter römischen Bürgern bzw. freigeborenen Männern. Als Julius Caesar in Bithynien war, wurde ihm ein Verhältnis zum dortigen König Nikomedes nachgesagt, was ihm einen schlechten Ruf einbrachte, aber offensichtlich keinerlei rechtliche Folgen hatte. Kaiser Hadrian hatte eine Beziehung zu dem jüngeren Antinoos, ohne dass dies weiter kritisiert wurde.
Quelle: Juvenal: Satire 2
Quelle: Sueton: Gaius Iulius Caesar, 2

In [46:30] gehört es laut Prof. Zimmer zum ABC der Kenntnis der Antike, zu wissen, dass jeder Mann ein Patriarch einer großen Sippe war und somit keine „neuzeitig klassische homosexuelle“ Beziehung führen konnte. Die vorigen Quellen zeichnen ein differenziertes Bild.
Damit wird deutlich, dass der Bibel sowohl in der jüdischen Bibel als auch im Neuen Testament alle Formen der Homosexualität bekannt war und hier keine Differenzierung vornimmt, so wie sie Prof. Zimmer vorzunehmen versucht.

2. In Gefängnissen geschieht homosexuelle Gewalt durch heterosexuelle Männer?

Prof. Zimmer führt in seinem Video aus [15:30], dass die versuchte Tat in Sodom,
1.Mose 19, nichts mit heutiger Homosexualität zu tun hätte, da es sich um eine versuchte Vergewaltigungstat heterosexueller Männer handelte, um Männer psychisch zu erniedrigen und zu vernichten, ähnlich wie heute in Gefängnissen homosexuelle Vergewaltigungen und Gewalttaten durch Heterosexuelle geschehen würde. [19:48]

Das impliziert unausgesprochen, durch Homosexuelle würde keine Gewalt und Vergewaltigung in Gefängnissen ausgehen, sondern nur durch heterosexuelle Gewalttäter.

Was sagt dazu der Forschungsbericht von Nicola Döring, Sexualität im Gefängnis: Forschungsstand und –perspektiven?
Quelle: http://www.nicola-doering.de/wp-content/uploads/2014/08/Döring-2006-Sexualität-im-Gefängnis.pdf, letzter Zugriff am 28.04.2015

Gemäß dem Deprivations-Modell (vgl. Sykes 1958) lassen sich heterosexuell identifizierte Männer und Frauen während der Haftzeit mangels Alternativen auf gleichgeschlechtliche Kontakte zu Mitgefangenen ein. Das Konzept der haftbedingten temporären homosexuellen Aktivität wird sowohl im wissenschaftlichen Diskurs vertreten („situational homosexua- lity“; vgl. Hensley et al. 2002b) als auch von Gefangenen selbst („knast- schwul“; vgl. Heuer 1978: 85). Das Deprivations-Modell betont, dass der Entzug heterosexueller Kontaktmöglichkeiten sowie das Erleben (freiwilliger oder erzwungener) homosexueller Ersatzhandlungen die heterosexuelle Identität stark bedrohen können. Damit einher geht oft auch eine Verunsicherung der Geschlechtsidentität, etwa wenn Gefangene sich nicht mehr als „richtige Männer“ fühlen.
Sexualität im Gefängnis: Forschungsstand und -perspektiven Z Sexualforsch 2006; 19, S. 321

Christopher Hensley führt aus in seinem Buch „Prison Sex: Practise and Policy“, S.16, dass es verschiedene Gruppen im Gefängnis gibt bezüglich der sexuellen Gewalt dort. Die erste Gruppe sind die sog. „Daddies“ oder „wolves“, die die aggressive, männliche Rolle in den homosexuellen Beziehungen im Gefängnis spielen. Durch ihr agressives Verhalten, das sie an den Tag legen, können sie sich sogar dem Stigma der Homosexualität entledigen, obwohl ihre sexuellen Gewalttaten homosexueller Natur sind.

3. Keine lesbische Homosexualität in der Antike?

In [25:06] führt Prof. Zimmer aus, dass es im alten Orient keine lesbische Sexualität gegeben hätte und dass man so etwas nicht gekannt hätte.

Was sagt die antike Literatur dazu?
Es gibt nur wenige Quellen zur weiblichen Homosexualität. Für Sparta sind immerhin erotische Beziehungen älterer zu jüngeren Frauen belegt, die im Rahmen des Erziehungssystems eine der Agoge der männlichen Jugendlichen vergleichbare Rolle mit Blick auf weibliche Heranwachsende gespielt haben könnten, während das Thema in Athen anscheinend eher ignoriert wurde bzw. möglicherweise sogar tabuisiert war.
Allerdings gibt es in der Dichtung von Sappho (630 v.Chr.), der Lyrikerin von der Insel Lesbos, zahlreiche Belege für gleichgeschlechtliche Liebe unter Frauen, wobei es auch hier um die Liebe einer etwas älteren Frau zu jüngeren ging. Diese Beziehungen wurden offensichtlich akzeptiert. Sie wurde anscheinend erst in klassischer Zeit unter athenischem Einfluss in einem eher negativen Licht dargestellt.
Quelle: Ernst Baltrusch: Sparta, S. 68: „Auch für die jungen Mädchen sind besonders enge Beziehungen zu ihren ‚Lehrerinnen‘ überliefert.“
Quelle: Einen Überblick über die Lieder der Sappho bietet Max Treu: Sappho: Lieder. Griechisch und deutsch. 6. Auflage. München 1979.

Ihre Lieder, in denen sie die Schönheit ihrer Freundinnen, Schülerinnen und vor allem auch ihrer Tochter besingt, sind im Anschluss an ein Scholion zu Martials Epigramm 7,67 seit Domizio Calderino (1474) auf die Liebe Sapphos zu Frauen bezogen worden; von dieser Auffassung schreibt sich die Bezeichnung „lesbische“ oder „sapphische“ Liebe für weibliche Homosexualität her.

4. In der Antike gab es keine Chance als homosexuelles Paar zu leben?

In [42:45] führt Prof. Zimmer aus, dass dadurch, dass jeder in einer patriarchalischen Rolle in einer Großsippe lebte, niemand wusste, ob er homosexuell war oder nicht.

Auch hier spiegelt der Vortrag nicht die ganze historische Wirklichkeit der homosexuellen Lebensweise z.B. der griechischen Antike:

Nur am Rande sei hier auch eine Militäreinheit der besonderen Art erwähnt, die sogenannte „Heilige Schar“ der Thebaner, die 378 v.Chr. von Gorgidas eingeführt und in der Folgezeit von Pelopidas zu einer Spezialeinheit geformt wurde. Sie bestand angeblich aus 150 Liebhabern und ihren 150 Geliebten.  Allgemein waren sexuelle Kontakte in den Armeen der Antike nicht unüblich, so dass einige Soldaten sogar ihre Geliebten mit zum Kriegsdienst nahmen.
Quelle: Vgl. Crompton, Louis: Homosexuality and Civilization. London: Havard UP 2003, 4. Dover, Kenneth J.: Greek Homosexuality. London: Duckworth 1978, S.69

In [58:16] sagt er, dass Röm.1:24-27, sich nur auf die römische, dekadente Oberschicht bezogen hat, da neuzeitliche Schwule und Lesben nicht ihren homosexuellen Wandel verlassen würden, da man homosexuell „geboren“ würde und dies sogar eine Schöpfungsordnung Gottes darstelle.

Ist das wirklich so?
“Für die alten Griechen und Römer war es noch eine Selbstverständlichkeit, dass Männer sowohl für männliche als auch für weibliche Reize empfänglich waren”, sagt Sexualwissenschaftler Haeberle. In ihrem Buch “Die Vielfalt des Begehrens – Bisexualität von der Antike bis heute” öffnet die Harvard-Professorin Marjorie Garber ein opulentes Album bisexueller Persönlichkeiten, von Oscar Wilde bis Virginia Woolf.
Quelle: http://www.stern.de/wissen/mensch/2-bisexualitaet-sexuelle-grenzgaenger-521965.html

Zusammenfassung:

Prof. Dr. Siegfried Zimmers Versuch, zu beweisen, moderne homosexuelle Beziehungskonzepte wären in der Antike und somit der Bibel nicht bekannt gewesen und damit wären alle 5 Schriftstellen der Bibel nichtig, die normaler Weise von Christen  gegen die Praxis von Homosexualität zitiert werden, da sie nicht gegen die heutige Praxis von beiderseitig gewollter Homosexualität gerichtet wären, ist nicht überzeugend.
Er kann der Überzeugung sein, so wie viele Kirchenleute der heutigen Zeit, dass Schwule und Lesben ein vitaler Bestandteil der Gemeinde Jesu sein sollen und auch Amtsträger der Kirche sein sollen, es aber durch die Bibel begründen oder gar legitimieren zu wollen ist meines Erachtens nicht gelungen.

Mario Wahnschaffe